Schloss Ambras: Des Kaisers unglückliche Töchter

Die Ausstellung "Nozze italiane" illustriert die Heiratspolitik der Habsburger. Im Zentrum stehen drei nach Italien verheiratete Töchter Ferdinands I.

Schloss Ambras Kaisers unglueckliche
Schloss Ambras Kaisers unglueckliche
(c) Schloss Ambras

Tirols kunstsinniger Landesfürst Erzherzog Ferdinand II. hat vor rund 450 Jahren Schloss Ambras für seine geliebte, aber unstandesgemäße Frau Philippine Welser zum Renaissanceschloss umgebaut. Um sie hier – damals weit außerhalb Innsbrucks gelegen – komfortabel „verstecken“ zu können. Und um seine exquisit bestückten Kunst- und Wunderkammern einzurichten, die noch heute bestehen und als das älteste Museum im modernen Sinn nördlich der Alpen gelten.

Das zum Kunsthistorischen Museum gehörende Schloss beherbergt seit vielen Jahren aber auch die einzigartige Porträtsammlung der Habsburger und verführt jeden Sommer mit einer delikaten Sonderausstellung zum erneuten Besuch. „Nozze italiane“ ist heuer angesagt, im Zentrum stehen die drei nach Italien verheirateten Töchter Kaiser Ferdinands I., Eleonore, Barbara und Johanna. Sie waren „Opfer“ der bekannten habsburgischen Heiratspolitik, reine Mittel zum Zweck für politische Interessen.

Zum Einstieg in die Schau wird das Bild der hochadeligen Frau in der Renaissance präsentiert. Etwa durch Spielsteine, durch die bereits den kleinen Prinzessinnen eingeimpft wurde, wie man sich tugendhaft, heroisch oder listig verhält. Wobei sich Männer den Kopf darüber zerbrachen, wie das auszuschauen hat. Etwa im „Il Libro del Cortegiano“ (1551) von Baldessare Castiglione, der Damen des Hofes Kriege führen und Gesetze erlassen lässt, allerdings immer nur in Verbindung mit einem Hofmann.

Denn der eigentliche Zweck dieser adeligen Damen war das Gebären männlicher Nachfolger. Ihre dynastische Pflicht mehr als erfüllt hat die Frau von Kaiser Ferdinand I., Anna, die ihm 15 Kinder – davon zehn Töchter – schenkte, bevor sie 44-jährig starb. Sie alle standesgemäß zu verheiraten war nicht einfach, mussten die Kandidaten doch katholisch sein und aus einem regierenden Haus stammen.

Der Ehevertrag der 1534 geborenen Eleonora mit dem durch eine Wirbelsäulenverkrümmung verunstalteten Guglielmo Gonzaga wurde 1561 unterzeichnet, obwohl dieser lieber Eleonoras Schwester Barbara zur Frau gehabt hätte. „Um unserem Namen als Schwiegersohn des Kaisers, Cousin des Königs von Spanien und Schwager jenes von Böhmen höheres Ansehen zu verschaffen“, fügte er sich aber. Und es wurde eine für diese Kreise relativ glückliche Ehe. Bereits ein Jahr nach der Hochzeit wurde der Stammhalter Vincenzo I. geboren, 1564 und 1566 folgten die Töchter Margherita und Anna Caterina, wobei letztere 16-jährig – ebenfalls aus Staatsräson – ihren verwitweten Onkel und Ambraser Schlossherrn Ferdinand II. heiraten sollte.

 

Sparsam: Gemeinsame Hochzeitsreise

Nach Oberitalien verheiratet wurden auch Barbara (mit Alfonso II. d'Este) und Johanna (mit Francesco de' Medici). An ihrer Aussteuer ließen sich die Habsburger nicht lumpen, um zu sparen, wurden die Schwestern 1565 gemeinsam auf Brautreise Richtung Süden geschickt. Briefe lassen vermuten, dass die des Italienischen nicht mächtige Barbara am estensischen Hof sehr unglücklich war, noch dazu, da sie kinderlos blieb. Nach sieben Jahren Ehe starb sie 1572 mit 33 Jahren an Tuberkulose.

Wohl noch unglücklicher war Johanna, die jüngste Tochter von Ferdinand I. Sie wird als sehr klein und mager beschrieben, ihr Mann Cosimo I. de' Medici mochte es dagegen üppig. So gab er auch nach seiner Hochzeit – durch die sich die Medicis die endgültige Verortung im europäischen Hochadel versprachen – seine Affäre mit einer verheirateten Venezianerin nicht auf, die er nach dem Tod Johannas 1578 auch heiraten sollte.

Um die „Weiberwirtschaft“ auf Schloss Ambras zu komplettieren, wurde die mit Bildnissen – die schönsten davon von Arcimboldo –, Dokumenten und Objekten des Kunsthandwerks bestückte Schau von Margot Rauch, Veronika Sandbichler und Katharina Seidl kuratiert. Sandbichler ist auch die zukünftige Ambraser Schlossherrin: Die 43-jährige Kunsthistorikerin, Spezialistin für die höfische Festkultur der Habsburger, beerbt im Dezember Langzeitdirektor Alfred Auer.

Bis 17.Oktober.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2010)

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