Eine neue Kunstmesse macht der Viennafair Konkurrenz

In der Wiener Galerienszene brodelt es denn die Zeitschrift „Spike“ plant eine neue Kunstmesse. Das neue Projekt werde öffentlich gefördert, heißt es.

(c) Michaela Bruckberger

Dass etablierte Kunstmessen von kleineren Parallelveranstaltungen begleitet werden, ist nichts Neues auf dem Kunstmarkt. Ob 1992 die „Unfair“ in Köln, 1996 die „Liste – The Young Artfair“ in Basel, 2002 die „Scope Art Show“ in Miami oder 2008 die „ABC (Art Berlin Contemporary)“ in Berlin – manchmal werden die Satelliten gegen, manchmal mit den Hauptveranstaltungen gegründet. Die Gründe sind vielfältig, meist ist es die Unzufriedenheit mit den Hauptmessen. Denn dort sind die Plätze limitiert, die Standpreise hoch und die Vergabesysteme von Freunderlwirtschaft dominiert. Manche können sich dann wie die „Liste“ in Basel langfristig etablieren, andere haben mit Qualitätsschwankungen zu kämpfen oder verschwinden schnell wieder wie die „Unfair“ und später die „Open Space“ in Köln, die kurzerhand in die Muttermesse eingebettet wurden.

Satellitenmessen gehören also zum Geschäft. Trotzdem tobt in Wien ein Entrüstungssturm über das kleine Projekt, das von der Kunstzeitschrift „Spike“ initiiert wurde und den Namen „Fruits, Flowers and Clouds“ trägt. Das neue Projekt werde öffentlich gefördert, heißt es, und könne sich dadurch Standgebühren von nur 1000Euro pro Teilnehmer leisten – gerade 10Prozent der durchschnittlichen Kosten auf der Viennafair. Das sei wettbewerbsverzerrend und für die Viennafair existenzbedrohend. Tatsächlich aber zahlt ein beträchtlicher Teil der Viennafair-Galerien gar nichts, da Die Erste als Hauptsponsor Galerien aus Osteuropa einlädt. Mit der neu berufenen Leitung steht zu befürchten, dass dieser Schwerpunkt überproportionales Gewicht bekommt – womit die Viennafair gar keine Gefahr von außen mehr benötigt, um ins Strudeln zu geraten.

Die „Spike“-Messe dagegen lädt gar nicht Galerien, sondern ausgesuchte Künstler ein. Wobei überrascht, dass diese Dreitagesmesse nicht mit jungen Künstlern und Galerien, sondern mit Etabliertem antritt. 25 bis 30 Einzelpräsentationen sollen es werden, so Messeleiter Maximilian Geymüller. Darunter sind acht Einladungen nach Wien gegangen, etwa Ernst Caramelle mit der Galerie nächst St. Stephan, David Hammons mit Christine König, Florian Pumhösl mit der Krobath-Galerie und Mathias Poledna mit Meyer Kainer. Eine Galerie hat aus Kapazitätsgründen abgesagt, Mezzanin mit Christian Mayer hat fest zugesagt. Termin ist im Mai.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2010)

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