MAK-Direktor Peter Noever tritt zurück

Der Direktor der Museums für Angewandte Kunst Wien tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Grund sind Ungereimtheiten im Zusammenhang mit Abrechnungen. Seine Vertrag wäre Ende 2011 ausgelaufen.

MAK-Direktor Peter Noever tritt zurück
MAK-Direktor Peter Noever tritt zurück
MAK-Direktor Peter Noever tritt zurück – (c) REUTERS (LISI NIESNER)

Peter Noever, Direktor des Museums für Angewandte Kunst (MAK), tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Grund seien Ungereimtheiten im Zusammenhang mit Abrechnungen. Er habe im Zusammenhang mit "Veranstaltungen im MAK rund um den Geburtstag meiner Mutter Fehler gemacht, für die ich alleine verantwortlich bin", ließ Noever via Presseaussendung am Mittwoch mitteilen.

"Ich hätte retrospektiv die Veranstaltungen - auch wenn sie dem Museum genützt haben - der Privatsphäre zuordnen müssen", so Noever weiter. "Ich bedaure diese Fehler und den Umstand, dass diese Veranstaltungen über Jahre so durchgeführt wurden. Um nun weiteren Schaden vom MAK durch die öffentliche Diskussion dieser Angelegenheit abzuhalten und die Angelegenheit auch von meiner Seite im Sinne einer vollständigen Bereinigung ohne Beeinträchtigung des von mir übernommenen Amtes rasch und vollständig zu Ende bringen zu können", habe er seinen Rücktritt erklärt.

Stellvertreterin Kandeler-Fritsch übernimmt

Die Kulturministerin hat den Rücktritt angenommen. Die stellvertretende Direktorin Martina Kandeler-Fritsch wird das Haus bis auf weiteres leiten, heißt es in einer Stellungnahme von Claudia Schmied, in der auch hervorgehoben wird, dass auf Wunsch des Kulturministeriums Sonderprüfungen des Wirtschaftsprüfers stattgefunden hätten. Diese hätten "dazu beigetragen", "Malversationen des Geschäftsführers Peter Noever rasch und kompromisslos aufzuzeigen".

Die Wirtschaftsprüfer von "PricewaterhouseCoopers" (PwC) seien auf Unregelmäßigkeiten bei der Verrechnung der bei der Feier angefallenen Cateringkosten gestoßen, allerdings sei dem Museum "soweit es bisher festzustellen war, aus diesen Vorfällen kein wirtschaftlicher Schaden entstanden, da sich Herr Noever bereit erklärt hat, sämtliche finanziellen Schäden zu ersetzen", heißt es in einer Stellungnahme des Kuratoriums. "Trotz der somit gezeigten 'tätigen Reue' wird das MAK Kuratorium Strafanzeige gegen den ehemaligen Direktor erstatten. PwC wurde mit einer vertiefenden Prüfung betraut um eventuelle weitere Unregelmäßigkeiten nachzugehen." Die Vorgänge im Zusammenhang mit der Abwicklung der privaten Feiern haben dazu geführt, "dass die Vertrauensbasis zwischen Herrn Noever und dem Kuratorium nicht mehr gegeben war", so Kuratoriumsvorsitzender Andreas Treichl.

Noevers Vertrag mit dem MAK wäre ohnehin Ende des Jahres ausgelaufen, da ihn das Kulturministerium nicht mehr verlängern wollte. Auch Noever, der das Museum seit 1986 leitet, hatte keine Verlängerung angedacht. "Wie schon mehrfach öffentlich bekundet, war eine Verlängerung meines Vertrags weder von mir angedacht, noch Gegenstand von Gesprächen mit Bundesministerin Claudia Schmied", erklärte Noever im November 2010. Zuletzt war verschiedentlich teils heftige Kritik an Noevers Amtsführung laut geworden.

Reaktionen: "Ende der Feudalherren"

"Für seinen Rücktritt ist dem nunmehr ehemaligen MAK-Direktor Peter Noever Respekt zu zollen", erklärt der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, in einer ersten Reaktion. Offenbar habe die bevorstehende, von den Grünen veranlasste Prüfung durch den Rechnungshof, den Rückzug des MAK-Direktors maßgeblich beschleunigt. "Nun wird das Ende der Feudalherren in den Bundesmuseen absehbar", so Zinggl. "Wir wünschen Peter Noever einen angenehmen Ruhestand und dem MAK einen Direktor oder eine Direktorin, der/die besser in der Lage ist, zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre zu unterscheiden."

(APA/Red.)

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