Malerdynastie Von Blaas: Ausflug in die Welt von gestern

Das Dorotheum versteigerte am Samstag bei einer der wenigen externen Auktionen im Auftrag der Familie den 150 Jahre umspannenden Nachlass der Malerdynastie Von Blaas auf deren Familiensitz: Fall für Ästheten.

(c) Dorotheum

Ein verwunschenes Anwesen mit englischem Garten, Alkoven, golden beschrifteten Bänden in der Bibliothek, Jagdtrophäen. Philipp Tanner, der im 15. Jht. ein Sägewerk nahe Altlengbach (NÖ) betrieb, gab der Tannenmühle den Namen, die im Besitz der Familie Trautmannsdorff war, bevor Peter von Blaas sie 1959 erwarb. Er ist der Vater der beiden Damen, die nun den 150 Jahre umspannenden Nachlass der Malerdynastie Von Blaas verkaufen: 732 Kunstwerke, die gestern, Samstag, bei einer der wenigen externen Dorotheum-Auktionen in der Tannenmühle unter den Hammer kamen.

Endlosbilder wie Puzzles. Carl von Blaas (1815-1894) zog von Nauders in Tirol nach Wien, wo er u. a. bei Joseph von Führich, „der Theologe mit dem Stift“ genannt, an den Fresken der Altlerchenfelder Pfarrkirche mitarbeitete. Später wandte er sich der Historienmalerei zu. Bekannt sind seine Endlosbilder, eine Art Puzzle von Motiven in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Da gibt es etwa 13 Skizzen nach italienischen Meistern, Volks- oder religiöse Szenen. Wenn Carl unterwegs war, musste er Papier sparen: „Voltate“, bitte wenden, die Rückseite ist auch illustriert. Carls Söhne, Julius (1845–1922) und Eugen (1843–1931) traten in seine Fußstapfen. Carl und Julius galten als Propagandisten des Kaisers Franz Joseph I. Julius und Eugen wurden in Rom geboren, italienische Malerei inspirierte sie. Eugen wurde der Berühmteste in der Familie. Seine Gemälde erzielen bis zu einer Mio. US-Dollar.

Antike, Kinder, Pferde. Die anderen bleiben im fünfstelligen Bereich, aber es gibt auch viel günstigere Arbeiten (Rufpreis: 400–800 Euro). Während das Habsburger-Reich durch inneren Zwist und Krieg dem Untergang entgegen taumelte, pflegten die Von-Blaas-Maler die Idylle. Sie wählten Motive der Antike, Kompositionen Alter Meister, Pflanzen, Kinder, Pferde sind zu sehen. „Akademische Malerei“ könnte man sagen, aber es ist mehr als versiertes Handwerk. Die Bilder sind auch historisch interessant. Sie zeigen das Unwandelbare in stürmischen Zeiten.
Die klappernde Mühle am rauschenden Bach ist dekorativ überwachsen, eine Dame mit Blumenhut trägt einen roten Schirm, Mädchen blicken verträumt, galoppierende Pferde scheinen zu fliegen. Düstere Hintergründe – Elend oder Einberufung zum Krieg wie bei Waldmüller oder sinnlich lockende Doppelbödigkeit wie bei Klimt lassen sich höchstens erahnen. Alles wirkt hier aufs Schönste geordnet. Von der Moderne blieben die Von Blaas weitgehend unberührt. Helene, die letzte der Dynastie die Malerin war, eine geborene Freiin von Leitenberger, heiratete 1920 Carl Theodor von Blaas, den Sohn von Julius.

Regelung des Kunsterbes. Helene lebte auf Schloss Tannenmühle, bewahrte den Nachlass, und starb 1985 mit 99 Jahren. Ihre Enkelin Katharina Seyffertitz, Expertin für Kunst und Antiquitäten, die bei Auktionshäusern tätig war, schildert Helene als bis ins hohe Alter vitale, an zeitgenössischer Kunst, z. B. Attersee, interessierte Dame. Selbstporträts zeigen sie an der Staffelei, mit Malutensilien in der Hand sowie am Klavier. Dass die Sammlung nun verkauft wurde, hängt, anders als man vermuten würde, nicht mit dem Aufwand für das Schloss zusammen, zu dem eine Forst- und Landwirtschaft gehört, die von Seyffertitz' Schwester Helene Czernin, einer gelernten Landwirtin, betreut wird. Die beiden Damen haben je drei Kinder, da war eine Regelung für das Kunsterbe erwünscht.
Die Bilder sollten ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden, Liebhaber, Käufer finden. Nebenbei gibt es die Hoffnung, dass durch die Höhenflüge der Bilder Eugens auch die der anderen Mitglieder der Familie höhere Preise erzielen. Merkantile Interessen stehen aber nicht im Vordergrund, wie das Dorotheum betont.

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