Hannes Mlenek, "der Michelangelo unserer Zeit"?

Hannes Mlenek stellt in seinem kolossalen Prateratelier aus. Und Albertina-Direktor Schröder hielt eine kolossale Eröffnungsrede dazu.

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder ist ein so leidenschaftlicher wie begehrter Vernissagen-Redner. Das ist ein Segen für die Wiener Kunstszene, weil soviele davon gibt es nicht. Dass er dabei manchmal übers Ziel hinausschießt, ist Teil dieses meist peinlichen Rituals der Beweihräucherung des andächtig dazu nickenden Künstlers (oder der Künstlerin). Schröder, dieser begnadete freie Redner, scheut in diesen Momenten keine Emphase und kein Pathos.

So geschehen Mittwochabend in den Praterateliers des Bundes. Begangen wurde die Eröffnung des "Meisterwerks" des "Michelangelos unserer Zeit", so Schröder. Es war dann Hannes Mlenek, der in seinem Atelier eine Installation zeigte. Mlenek ist sicher ein interessanter Wiener Zeichner, Maler, Installationskünstler, der sich intensiv und kritisch mit dem Thema männlicher Körperlichkeit auseinandersetzt. Und auch das Atelier ist ein besonderes, nämlich der einzig noch historisch erhaltene Weltausstellungs-Pavillon auf dem Bundesatelier-Gelände hier. Es ist tatsächlich auch kolossal mit seinen korinthischen Säulen davor - und drinnen hat es jetzt noch zwei kolossale Pfeiler mehr, zwei "Geschlechtertürme", wie Mlenek die meterhoch aufgespannten Leinwände nennt, die er gestisch abstrakt und mit muskulösen Embryos bemalt hat und mit denen er beiden Geschlechtern gleichberechtigte Denkmäler setzen will, recht phallische allerdings. Neuen Michelangelo und Mleneks Meisterwerk findet man hier nicht, ersteren müsste man anders definieren und zweiteres wird sicher noch kommen. Trotzdem sollte man Schröders Begeisterung folgen und hierherkommen in diesen verwunschenen Garten genau vis a vis vom Happel-Stadion, wo einst Bildhauer wie Anton Hanak und Karl Prantl auf Lebenszeit vor sich hin werkten. Und sich heute Künstler auf Zeit hier einmieten können.

Ausstellung Arche, Praterateliers. Bildhauerateliers des Bundes, Meiereistraße 3, 1020 Wien. Öffnungszeiten: 17. bis 20. Mai, 13 bis 19 Uhr, Eintritt frei. Danach bis Ende Oktober nach telefonischer Voranmeldung: www.mlenek.at

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