Bruegel ist Geschichte - was folgt 2019?

Dürer in der Albertina und Caravaggio im KHM sind die Highlights heuer in Wien. In Paris leidet die große Leonardo-Ausstellung an Leih-Absagen von Italien.

Leonardos Verkündigung wird von den Uffizien nicht an den Louvre verliehen.
Leonardos Verkündigung wird von den Uffizien nicht an den Louvre verliehen.

Jetzt ist sie also zu Ende, mit einem vorhersehbaren Besucherrekord: Über 400.000 reisten von überall ins Kunsthistorische Museum, um die erste große Bruegel-Ausstellung überhaupt zu sehen. Und bescherten dem KHM und der scheidenden Direktorin Sabine Haag die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Hauses. Das Wiener Publikum war allerdings weniger amused, es ist derlei Anstürme (Timeslots!) schlicht nicht gewöhnt, es wurde viel geschimpft darüber, dass es zu voll war, man nichts sehen konnte, dass es stank etc.

Ein Sprung in die National Gallery in London, wo zur Zeit Mantegna/Bellini zu sehen sind, erinnert daran, dass derlei Andrang in Metropolen alltäglich ist. Es gibt keine Timeslots, aber es ist schon in der Früh so voll, dass man sich fragt, ob die Dichte überhaupt gesteuert wird. Auch hier wird, wie bei Bruegel, mit einem "once in a lifetime"-Erlebnis geworben. Die Geschichte des älteren Mantegnas und seines Schwagers, die in ständigem künstlerischen Dialog standen, ist tatsächlich auch sehr reizvoll und wurde in einer eigenen Ausstellung noch nie erzählt. Die allerdings nur möglich wurde durch eine Kooperation der National Gallery mit den Staatlichen Berliner Museen - inklusive der Leihgabe von Mantegnas besonders grauslich durchbohrtem Heiligen Sebastian aus dem KHM übrigens.

Mantegnas Hl. Sebastian aus dem KHM zur Zeit in London. – KHM

Welche Großausstellungen sind heuer in Wien zu erwarten? Sicher Dürer in der Albertina ab 20. September. Caravaggio und Bernini im KHM ab 15. Oktober. International wird wohl die Leonardo-da-Vinci-Ausstellung im Louvre, ebenfalls im Herbst, der größte Renner werden. Auch wenn die Leihgaben immer noch nicht fixiert sind. Gerade erst hat Italien die einstige Zusage für Leihgaben wieder zurückgezogen. Leonardo sei Italiener gewesen, nur in Frankreich gestorben, deshalb wolle man sich von der großen Ausstellung zu seinem 500. Todestag in Paris nicht ausbooten lassen, ließ das italienische Kulturministerium verkünden. Wenn die Louvre-Schau eröffnet, wird Eike Schmidt, Direktor der Uffizien, allerdings schon in Wien weilen, als Nachfolger von Sabine Haag im KHM. Die Uffizien haben die meisten Leonardo-Gemälde in Italien. Schmidt sagte zur Absage der Leihgaben: "Ich bin sicher, meine französischen Kollegen unterstützen mich, wenn ich die selbe Regel an unseren Leonardo-Gemälden anwende, wie sie es bei der Mona Lisa tun." (Wobei man Da Vincis "Verkündigung" etwa zuvor schon verliehen hat.)

Vergleicht man das mit den Voraussetzungen der Wiener Bruegel-Schau - die Bruegels werden auch nie verliehen - muss man sagen: Dann hätte Italien doch selbst eine große Leonardo-Schau auf die Beine stellen sollen. Eben ohne Mona Lisa.

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