Bernhard Moshammer: Guten Tag, Dilemma!

Das Auseinanderdriften einer Mittelschichtfamilie vergleicht Bernhard Moshammer mit der Kontinentaldrift. Ein rasanter, humoristischer Roman.

Bernhard Moshammer Guten Dilemma
Bernhard Moshammer Guten Dilemma
(c) Milena Verlag

Man kennt das: Ehemann (Lutz) verlässt Ehefrau (Lotte), obwohl die soeben den gemeinsamen zweiten Sohn entbunden hat, für eine jüngere Frau. Lotte verstummt und zieht zu ihren Eltern, die nicht nur an Sinn und Aussprache der Namen ihrer Enkelkinder Anselm und Jura verzweifeln, sondern generell an Verrohung und Verfall der Gesellschaft. (Ihr titelgebendes Mantra heißt „Die Zukunft wird kein Honiglecken“.)

Der ganz normale Alltagswahnsinn einer Wiener Mittelschichtfamilie wird dank Autor Bernhard Moshammer zu einer kurzweiligen Geschichte. Das Auseinanderdriften der Familie vergleicht er mit dem Zerfall des Großkontinents Pangäa in zwei Subkontinente: „100 Millionen Jahre Ehe war genug.“ Mitreißend ist der experimentelle Erzählstil: In „Du“-Form richtet Moshammer sich an die Leser, was die Nähe zu den Figuren verstärkt; immer wieder wechselt er die Hauptfigur und lässt zwischendurch die Figuren Instruktionen an ihn als Autor geben, wie er die Geschichte weitererzählen soll.

Der in Wien lebende Autor ist auch Musiker und vertont Theaterstücke und Serien („Schlawiner“). Seine Erfahrung mit dem Burgtheater lässt er einfließen. Ausgerechnet der 16-jährige Anselm durchschaut die Mechanismen des modernen Theaterbetriebs, für den Vater Lutz als Dramaturg arbeitet. Der Roman spielt 2011, erschien im Herbst 2012 – das Metathema der Generationenkonflikte in der Gegenwart ist aber, nicht nur kurz nach der Volksbefragung, immer wieder aktuell. awa

Bernhard Moshammer: „Die Zukunft wird kein Honiglecken“, Verlag Milena, 240 Seiten, 17,90 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2013)

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