Manchmal reicht ein Wort

Der Journalist Erwin Koch verpasst selbst den traurigsten Geschichten etwas Tröstliches. Nun sind seine Reportagen in einem Band versammelt erschienen.

Manchmal reicht Wort
Manchmal reicht Wort
Manchmal reicht Wort – (c) Nagel & Kimche

Um banale Dinge geht es selten in Erwin Kochs Geschichten. Es sind vielmehr die essenziellen Dinge des Lebens, die der deutsche Journalist in seinen sprachlich reduzierten Reportagen schildert. Krankheit, Tod, Trennung, die Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Wer sich als eifriger Leser von deutschsprachigen Magazinen bezeichnet, könnte von dem dünnen Reportagenband, der vor Kurzem erschienen ist, enttäuscht sein. Denn er könnte beinah alle Texte bereits im „Datum“, in der „Zeit“ oder in dem relativ jungen Schweizer Magazin „Reportagen“ gelesen haben.

Etwa die über jene Uiguren, die 2001 aus dem Westen Chinas, wo sie unterdrückt werden, über Umwege nach Afghanistan zogen und dort am 12. September, einen Tag nach den Anschlägen auf das World Trade Center, verhaftet wurden. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort – und büßten dafür mit fünf Jahren Folter und Haft im Gefangenenlager Guantánamo. Ihre Freilassung hat sich verzögert, weil sie kein Land der Welt aufnehmen wollte. Oder die Geschichte von Sarah, die in der Pubertät an Leukämie erkrankt. Das Leiden, Hoffen und Sterben der jungen Frau erzählt Erwin Koch auf einfühlsame, aber nie kitschige Weise. Sein wichtigstes Stilmittel ist der Drang zu kurzen Sätzen („Es ist Herbst“), manchmal reicht auch nur ein Wort, um dem Leser ein Bild zu zeichnen („Lungenentzündung, Hirnhautreizung. Morphium.“) Dabei schafft er es, dass auch die noch so traurigen Texten etwas Tröstliches haben. awa

Erwin Koch: „Von dieser Liebe darf keiner wissen“, Nagel & Kimche, 188 Seiten, 18,40 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2013)

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