Lesetheater-Gründer Rolf Schwendter gestorben

Schwendter war Dreifach-Doktor, Schriftsteller und Präsident der Grazer Autorenversammlung. Er starb mit 73 Jahren, die Todesursache ist unklar.

LesetheaterGruender Rolf Schwendter gestorben
LesetheaterGruender Rolf Schwendter gestorben
Rolf Schwendter auf einem Archivbild – (c) Die Presse

Der Sozialwissenschafter, Schriftsteller, Lesetheater-Gründer und Dreifach-Doktor Rolf Schwendter ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Wie das Erste Wiener Lesetheater, dessen Gründer Schwendter war, gegenüber der APA bestätigte, starb Schwendter gestern, Sonntag, am späten Abend in seinem Wohnhaus in Kassel. Die Todesursache war bisher unklar. Als Forscher zu den Themen Devianz und Subkultur, aber auch als Dichter, Kochbuchautor und Uni-Professor war Schwendter eine wichtige Einflussgröße der heimischen Kulturszene.

Rolf Schwendter wurde am 13. August 1939 in Wien-Ottakring geboren. Er studierte Theaterwissenschaft, Staatswissenschaft, Soziologie und evangelische Theologie und betätigte sich schon in seiner Studienzeit als Dramaturg und Regisseur freier Theatergruppen. Nach dem Studium übersiedelte der dreifache Doktor nach Deutschland.

Liedermacher mit Minimal-Einkommen

Ehe er als Assistent an das Institut für politische Wissenschaften der Universität Heidelberg (1971-74) ging, lebte Schwendter als Liedermacher von einem Minimal-Einkommen. 1970 erschienen seine "Lieder zur Kindertrommel" auf Schallplatte, 1980 "Ich bin noch immer unbefriedigt. Lieder zum freien Gebrauch". Außerdem scheint er als Darsteller diverser Filme auf, u.a. von Ferry Radax und Wolfgang Bauer.

Ab 1975 unterrichtete Schwendter als Professor für Devianz-Forschung an der Gesamthochschule Kassel. Berühmt ist seine 1971 erschienene "Theorie der Subkultur". Der Wissenschafter erforschte die Subkultur allerdings nicht nur theoretisch, sondern lebte auch als Vagant und Underground-Poet in dem Milieu, das er beschreibt. In zahlreichen Publikationen wie etwa "Modelle der Radikaldemokratie" (1970), "Zur Geschichte der Zukunft" (1982), "Drogenabhängigkeit und Drogenkultur" (1992) beschäftigt er sich mit sozialpolitischen Fragen der Gegenwart, der Alternativ- und der Boheme-Kultur.

Neben einer Sozialgeschichte der zentraleuropäischen Gastronomie - "Arme essen - Reiche speisen" - hat der leidenschaftliche Koch auch ein Kochbuch verfasst, in das historische und gesellschaftskritische Erkenntnisse einfließen. Zu seinen wichtigsten lyrischen Werken gehören die "Katertotenlieder" (1987) und "Ein kalter Truthahn aus Nikotin" (1992). "Die Unmöglichkeit zu telefonieren" und der Lyrik-Band "Psalter" wurden mit der österreichischen Buchprämie 1990 und 1991 ausgezeichnet.

Viele Arbeiten nicht veröffentlicht

Viele Arbeiten, die der Autor selbst zu seinen bedeutenderen zählt, sind bisher nicht veröffentlicht - darunter rund 20 Theaterstücke, von denen er die ersten bereits als 16-Jähriger verfasste.

Der viel beschäftigte Allrounder war in einer Vielzahl von sozialen, politischen und literarischen Vereinigungen engagiert, u.a. in der Grazer Autorenversammlung, deren Präsident er von 1989 bis 1991 und erneut seit 2006 war. In Wien war Schwendter nicht zuletzt durch das von ihm im Jahr 1990 initiierte "Erstes Wiener Lese- und zweites Stegreiftheater" präsent.

(APA)

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