Die Rückkehr des Kurt Wallander

In „Mord im Herbst“ darf der schwedische Kommissar ein letztes Mal ermitteln. In „Mankell über Mankell“ gibt dessen Erfinder Geheimnisse über die Entstehung der Krimifigur preis.

Henning Mankell
Henning Mankell
Henning Mankell – EPA

Seine Fans werden jubeln: Kurt Wallander kommt zurück und ermittelt in Südschweden. Zum wirklich letzten Mal, wie sein Schöpfer Henning Mankell im Schlusswort zum neuesten Fall „Mord im Herbst“ erklärt. Der schwedische Autor hat 2010 nach zehn Büchern die populäre Serie für abgeschlossen erklärt – und wollte seinem Starkommissar keine neuen Fälle mehr widmen.

In „Der Feind im Schatten“ versetzte Henning Mankell seinem grüblerischen Ermittler noch dazu einen herben Schicksalsschlag, so als wollte der Autor sämtliche Türen hinter Wallander schließen: Wallanders Gedächtnis lässt nach, er leidet an Alzheimer, der langsame Verfall beginnt. Doch in dem für Mankell ungewohnt schmalen Band „Mord im Herbst“ darf Wallander noch ganz der Alte sein: Die Erzählung ist chronologisch vor dem letzten Roman der Serie angesiedelt.

Kurt Wallander sehnt sich nach einem Haus im Grünen, nach Ruhe und Natur. Das Leben in der einengenden Wohnung im Zentrum Ystads, die er mit seiner Tochter Linda teilt, möchte er hinter sich lassen (all das wird er erst in „Der Feind im Schatten“ umsetzen). Sein Kollege Martinsson bietet ihm ein Bauernhaus eines Verwandten zum Kauf an. Als Wallander durch den verwilderten Garten des Hauses streift, stolpert er buchstäblich über eine Leiche: Eine skelettierte Hand ragt aus dem Boden. Wenig später findet man ein zweites Skelett – eine Frau und ein Mann. Beide liegen schon lange in der Erde, sie müssen vor etwa 60 Jahren ermordet worden sein. Zu viele Zufälle?

Nicht typisch.
Vielleicht ja, aber es wäre kein Mankell-Krimi, wenn der Autor den Mordfall nicht als Aufhänger zum Aufrollen einer ganz anderen Geschichte nutzen würde. Auf der Suche nach der Identität der Toten erzählt er über Flüchtlinge aus Estland, die in den letzten Kriegsjahren nach Schweden kamen. „Mord im Herbst“ ist wohl kein typischer Wallander-Roman: Auf den 120 Seiten reicht der Platz einfach nicht, um Wallander so facettenreich darzustellen, wie man ihn aus den anderen Romanen kennt – und gleichzeitig auch noch Missstände in Schwedens Gesellschaft aufzuzeigen. Gewiss: Der Plot ist spannend, mit Wallander trifft man einen alten Bekannten, den man vermisst hat. Doch der Eindruck bleibt, hier wurde eine Erzählung nachgeschoben, um den Fans zu geben, wonach sie gieren.

Mankell schreibt in den Nachbemerkungen, dass er die nun veröffentlichte Geschichte vor vielen Jahren für eine Leseaktion des Buchhandels in den Niederlanden verfasst hat. Auf Schwedisch und auch auf Deutsch ist sie eben erst jetzt erschienen. Verfilmt wurde „Mord im Herbst“ übrigens bereits vor einigen Jahren: BBC verwendete die Erzählung als Grundlage für ein Drehbuch zu einem Film, in dem Kenneth Branagh den Kommissar spielt. Henning Mankell gibt es diesen Herbst aber ein zweites Mal: Ebenfalls bei Zsolnay kommt diesen Montag eine Biografie des schwedischen Autors heraus, geschrieben von einer dänischen Journalistin. Sie hat Mankell immer wieder interviewt und auf Reisen in seine zweite Heimat Mosambik begleitet. Darin erzählt der 71-Jährige über seine Kindheit ohne Mutter, über seine Liebe zum Theater und zu Afrika.

Wallander-Fans kommen jedenfalls auf ihre Rechnung: Mankell gewährt Einblicke in die Entstehung und Entwicklung des Kommissars. Er analysiert auch die Gründe, die seines Erachten den weltweiten Erfolg seiner Figur ausmachen. Ein Erfolg, der sich sehen lassen kann: 40 Millionen verkaufter Exemplare in mehr als 120 Ländern. Eine Erfolgsgeschichte, die nun endgültig abgeschlossen ist.

Neu Erschienen

Kirsten Jacobsen
Mankell über Mankell. Übersetzt von Lutz Volke. 336 S., 22,60€.

Zsolnay Verlag.
Henning Mankell:
Mord im Herbst. Übersetzt von Wolfgang Butt, 144 S., 16,40€, Zsolnay.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2013)

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