Thomas Bernhard: Was man lesen muss

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Am 9. Februar 1931 wurde der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard, im niederländischen Heerlen geboren. In seinen Romanen und Stücken thematisierte Bernhard Österreichs verdrängte Nazi-Vergangenheit, rechnete mit Weggefährten ab - und wurde so zur Hassfigur. DiePresse.com stellt neun Werke Bernhard vor, die man lesen muss (oder zumindest lesen soll).
(Text: her)

Foto aus der Burghteater-Inszenierung von "Elisabeth II" mit Ignaz Kirchner und Gert Voss, 2002

(c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuters)
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''Frost'' (1963)

Bernhards Romandebüt, auch 55 Jahre nach Erscheinen stark. Der namenlose Ich-Erzähler fährt in ein Bergdorf und trifft dort den seltsamen Künstler Strauch. Der Anfang von Bernhards hoher Kunst der Übertreibung.

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Amras'' (1964)

Eine Familie beschließt kollektiven Suizid, die zwei Brüder überleben und werden in einen Turm im Innsbrucker Stadtteil Amras gebracht. Dem Text stellte er ein Zitat des Dichters Novalis voran: "Das Wesen der Krankheit ist so dunkel als das Wesen des Lebens."

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Der Ignorant und der Wahnsinnige'' (1972)

Der "Notlichtskandal", für den das Stück vor seiner Uraufführung 1971 bei den Salzburger Festspielen sorgte, ging in die Geschichte ein. Laut Regieanweisung sollte das Stück in absoluter Finsternis enden. Feuerpolizeiliche Vorschriften verhinderten das Löschen des Notlichts, Streitigkeiten entbrannten. Via Telegramm schrieb der Autor: "Eine Gesellschaft, die zwei Minuten Finsternis nicht verträgt, kommt ohne mein Schauspiel aus".

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Vor dem Ruhestand'' (1979)

Eine noch 30 Jahre nach dem Krieg der Nazi-Ideologie verhaftete Familie: Rudolf Höller, Gerichtspräsident und ehemaliger SS-Offizier, seine Schwestern Clara und Vera, feiern jedes Jahr am 7. Oktober Himmlers Geburtstag.
"Eine Komödie von deutscher Seele" lautet der Untertitel. Anlass für das Stücks war die Affäre um den Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger, der wegen seiner NS-Vergangenheit zurücktreten musste.
Steht derzeit auf dem Spielplan im Theater in der Josefstadt.

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Holzfällen. Eine Erregung'' (1984)

"Holzfällen" trug die "Erregung" bereits im Untertitel: Das Buch wurde als Abrechnung mit Bernhards Freund und Mäzen Gerhard Lampersberg, dessen Gast Bernhard am Kärntner "Tonhof" oftmals gewesen war, verstanden und zum Skandal. Kommt doch im Roman ein Komponist, ein heruntergekommener Alkoholiker, namens Auersberger vor. Der Roman wurde in Österreich polizeilich beschlagnahmt, Bernhard untersagte daraufhin die Auslieferung all seiner Bücher nach Österreich.

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Auslöschung. Ein Zerfall'' (1986)

Bernhards letztes großes Prosawerk. Der Unfalltod seiner Eltern und seines Bruders zwingt Ich-Erzähler Franz-Josef Murau, der in Rom lebt, zur Heimkehr auf den Familiensitz Schloss Wolfsegg in Oberösterreich. Im inneren Monolog taucht der Leser in einen Erinnerungsstrom ein, mit dem Murau seine Erinnerungen "augelöscht" haben und seinen "Herkunftskomplex" verarbeiten will.

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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Autobiografische Schriften:

"Die Ursache. Eine Andeutung" (1975), "Der Keller. Eine Entziehung" (1976), "Der Atem. Eine Entscheidung" (1978), "Die Kälte. Eine Isolation" (1981) und "Ein Kind" (1982).
Fünf Erzählungen zwischen Dichtung und Wahrheit, beginnend von der Schulzeit in einem NS-Internat in Salzburg (es gab Unterlassungs- und Verleumdungsklagen) über Lehrjahre, seine Lungenkrankheit und seine frühe Kindheit voller Misshandlungen.

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Heldenplatz'' (1988)

Der größte Theaterksandal - und das letzte Werk des Autors. Im Zentrum des Auftragswerks zum 100-jährigen Eröffnungsjubiläum des Wiener Burgtheaters (Direktor: Claus Peymann), steht ein Begräbnis. Der Professor hat sich aus dem Fenster seiner Wohnung am Heldenplatz gestürzt, Familie und Bedienstete reflektieren über den Verstorbenen. Seine Frau hört das "Geschrei der Masse vom Heldenplatz".

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
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''Meine Preise'' (2009)

Posthum veröffentlicht. In jedem der neun Kapitel schildert Bernhard den Erhalt eines Preises, sie bilden auch die Kapitelnamen - vom Grillparzerpreis bis zum Büchnerpreis. Thomas Bernhard verabscheute Literaturpreise. Dennoch nahm er sie in Empfang. "Ich hasste die Zeremonie, ich hasste die Preisgeber, ich nahm das Geld", schrieb er. Preisverdächtig.

(c) PR Bilder (Suhrkamp Verlag)
Kommentar zu Artikel:

Was man lesen muss: Neun Werke von Thomas Bernhard

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