Horror for a Lifetime: Stephen King wird 60

Der US-Autor avancierte mit seiner Horror-Literatur zum meistverkauften Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk zeichnet sich durch häufige Verknüpfungen und die Verarbeitung persönlicher Erlebnisse aus.

AP (Aaron Harris)

"Die Welt hat Zähne. Und mit diesen beißt sie zu, wann immer sie will." Mit diesem Zitat aus seinem Roman "Langoliers" könnte man die Grundstimmung beschreiben, die Stephen King in seinen Texten verbreitet. Mit Büchern über alltägliche Situationen, die in unheimliche Horror-Szenarien umschlagen und einer detailreichen Charakterzeichnung seiner Protagonisten, wurde King zum meistverkauften Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Literaturkritiker verwerfen Werke wie "Es", "Christine", "Misery" oder "The Shining" als "Trivialliteratur", doch die Marke "King of Horror" hat, trotz wenigen Auftritten der Privatperson Stephen King, enorme Breitenwirkung. Am 21. September wird der US-Autor 60 Jahre alt.

Beeinflusst von Lovecraft und Hemingway

Bereits mit seinem ersten Roman "Carrie" (1974) erlangte der ehemalige Englischlehrer einen Bestseller. Die Erzählung über die psychischen Qualen einer Jugendlichen mit telekinetischen Fähigkeiten ermöglichte der Horror-Literatur eine zuvor nie erreichte Breitenwirkung.

King sieht sich selbst in der Tradition großer Autoren des angloamerikanischen Kanons. Mit seinem narrativen Schreibstil, der sich hauptsächlich durch die detailverliebte Zeichnung der Charaktere als den Plot auszeichnet, orientierte er sich an Ernest Hemingway. Seine Liebe zu Edgar Allan Poe und H. P. Lovecraft, deren Texte stets durch den Einbruch des Phantastischen ins Alltägliche erfüllt waren, führten ihn zum Horror-Genre.

Unterschätzte literarische Qualität

Die ausschließliche Konzentration auf das Horror-Genre brachte King auch viel Kritik ein. Als "trivial", "banal" und "massentauglich" wurde er beschimpft und von der Literaturkritik beiseite geschoben. Dass seinen Texten durchaus literarische Qualität anhaftet, beweist die starke Verknüpfung der Texte untereinander, die stets intertextuell aufeinander anspielen.

Auch die Verarbeitung persönlicher Erlebnisse sticht hervor: als King etwa in seinem Haus von einem fanatischen Bewunderer festgehalten wurde, schrieb er die Bücher "Misery" und "Stark-The Dark Half" darüber. In seinem siebenteiligen Opus "Der dunkle Turm" baut sich King sogar selbst in die Geschichte ein, um mit seinen Helden zu sprechen, damit diese ihn vor einem Autounfall retten. King wurde nämlich tatsächlich 1999 von einem betrunkenen Fahrer beim Spazieren schwer verletzt.

Multimediale Präsenz

Die Texte keines Autors wurden sooft verfilmt, wie jene Kings. "The Shining" von Stanley Kubrick, mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, wurde weltbekannt. Kathy Bates bekam einen Oscar für ihre Rolle in "Misery" und Tom Hanks überzeugte in "The Green Mile". Die neueste King-Verfilmung "Zimmer 1408" ist bereits die zweiterfolgreichste Film-Adaption eines seiner Texte.

Auch in anderen Medien ist der Autor präsent: So wurde "Der dunkle Turm" von den Zeichnern des legendären Marvel-Verlags zu einem Comic adaptiert. King selbst veröffentlichte als erster Autor überhaupt zwei Werke nur im Internet: "Riding the Bullet" und "The Plant".

(Red.)

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