Idyll war gestern

In »Frühlingstod« des Schweden Kallentoft wird eine Kleinstadt von einem Bombenanschlag erschüttert. Nichts ist mehr, wie es war.

(c) Rowohlt TB

Es ist ein warmer Frühlingstag, die Leute im beschaulichen schwedischen Städtchen Linköping zieht es nach draußen in die Cafés, als auf dem Hauptplatz vor der Bank eine Bombe hochgeht. Zwei kleine Mädchen sterben, es gibt viele Verletzte und noch mehr Ratlosigkeit: Galt der Anschlag der Bank? War es die Tat von Islamisten, von rechten, von linken Fundamentalisten?

Kommissarin Malin Fors wird direkt vom Begräbnis ihrer Mutter zum Tatort geholt. Fors und ihre Kollegen haben lange keine konkrete Spur, in einem E-Mail werden – als Protest gegen Kapitalismus und Wirtschaftskrise – weitere Anschläge auf Banken angekündigt.

Dem hierzulande noch nicht sehr bekannten schwedischen Autor Mons Kallentoft ist ein spannender Thriller vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise gelungen. 2010 in Schweden und soeben bei uns erschienen, ist „Frühlingstod“ der vierte Roman mit der psychisch angeschlagenen Ermittlerin Malin Fors, die als mittlerweile trockene Alkoholikerin ihr Leben in den Griff bekommen will. Sie leidet darunter, dass sie der Tod der Mutter so kalt lässt, dass sie die Beziehung zu ihrer Tochter durch ihre Alkoholsucht zerstört hat.

Lesenswerte Krimi-Thriller-Ware in bester skandinavischer Tradition – mit einem Kritikpunkt: Die Episoden, in denen Fors die Stimmen der getöteten Zwillingsmädchen hören kann, nerven ein wenig. Insgesamt aber: spannender Thriller, politischer Roman und persönliche Erzählung in einem. mpm

Mons Kallentoft: „Frühlingstod“, übersetzt v.: Christel Hildebrandt, Rowohlt TB, 636 S., 10,30 €.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2014)

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