Friedrich Torberg: Ausstellung zum 100. Geburtstag

Das Jüdische Museum widmet dem Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer eine Schau. Sie zeigt Torbergs Erfolge, Rückschläge und die "Gefahren der Vielseitigkeit".

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Zum 100. Geburtstag des Autors Friedrich Torberg zeigt das Jüdische Museum Wien eine Ausstellung zu dem Autor, Kritiker und Übersetzer. „Gefahren der Vielseitigkeit" heißt die Schau, die heute, Dienstag eröffnet wird - genau an diesem Tag wäre Torberg 100 Jahre alt geworden. Zu sehen sind etwa ein Maturafoto von Torberg, der zu Weltruhm gelangte, weil er das Durchfallen durch ebendiese Prüfung zum Thema seines Debütromans „Der Schüler Gerber" machte.

"Tante Jolesch" im Kaffeehaus

Die Ausstellung beginnt mit einer Hörinstallation im "Kaffeehaus": Auf Originalmöbeln des ehemaligen Café Museum aus den 1930er-Jahren sitzend, lauscht der Besucher Torbergs Lesung aus "Tante Jolesch". Im zweiten Raum werden Kindheits- und Jugendfotos gezeigt. Neben der Fotoinstallation finden sich hier auch zwei Prunkwimpel des jüdischen Sportvereins Hakoah, in dem Torberg in seiner Jugend begeistert Mitglied war.

Erstausgaben prägen das Kapitel zu Torbergs Büchern, darunter eine Kuriosität: Sein Roman "Die Mannschaft" fand sich in einer HJ-Bibliothek, der das Judentum des Autors wohl entgangen war. Ebenfalls zu sehen sind Dokumente zur Genese und Rezeption der Werke, darunter Briefe von und an Friedrich Torberg. Zu seinen Gratulanten, Kritikern und Freunden zählten etwa Hermann Broch, Fritz Grünbaum, Peter Handke, Hermann Hesse, Marcel Reich-Ranicki, Arnold Schoenberg, Alma Mahler-Werfel oder Simon Wiesenthal.

"Gott Kupfer" fordert Belegexemplar

Torbergs Auseinandersetzung mit der Aufarbeitung der NS-Gewaltverbrechen durch die österreichische Justiz ist ein weiterer Abschnitt gewidmet. Darüber hinaus ist eine Fotoserie zum Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem zu sehen. Andere Aufnahmen zeigen das von der SS in Prag eingerichtete so genannte "Jüdische Zentralmuseum", das Torberg in einer Novelle thematisiert.

Eine von vielen, aber wohl die amüsanteste Kuriosität der Ausstellung ist ein Brief von Torbergs Lehrer Arnold Schwefel, der als Basis für die gefürchtete Lehrerfigur Gott Kupfer in "Der Schüler Gerber" diente: Er fragte per Postkarte den Zsolnay Verlag um "Belegexemplare" des Buches.

"Brecht-Boykott"

Auch der Vielfalt an Meinungen über Torberg will die Schau gerecht werden: Torberg, der geistreiche Schriftsteller, pointierte Kritiker, der bewusste Jude und Zionist. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil ließ er in der "Tante Jolesch" die Vorkriegszeit literarisch wieder auferstehen. Doch war er auch ein überzeugter Antikommunist, der etwa einen "Brecht-Boykott" initiierte.

Obwohl Torbergs Archiv 1938 verloren ging, birgt sein in der Wienbibliothek befindlicher Nachlass mehr als 50.000 Briefe. Diese bildeten auch einen wesentlichen Teil des wisseschaftlichen Hintergrunds für die Ausstellung, die von Marcus G. Patka und Marcel Atze erarbeitet wurde.

Frühe Erfolge

"Auf dem Papier war er ein böser Mensch, in Fleisch und Blut ein lieber", schrieb Günter Nenning einst über Friedrich Torberg. "Er war ein Frühvollendeter", erzählt Kurator Marcus G. Patka und spielt damit vor allem auf die frühen, später nicht wiederkehrenden Erfolge Torbergs an: 1928 wurde er tschechischer Staatsmeister im Wasserball. Zwei Jahre später wurde er mit dem "Schüler Gerber" erfolgreich.

Torbergs siegreiches Wasserballteam: Torberg ist der zweite von links
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Torbergs siegreiches Wasserballteam: Torberg ist der zweite von links
(c) APA (SAMMLUNG DAVID AXMANN/ JUEDISCHES MUSEUM WIEN)

 

"Die Gefahren der Vielseitigkeit. Friedrich Torberg zum 100. Geburtstag"
Eröffnung heute, 16. September, 18.30.
Bis 1. Februar 2009.
Jüdischen Museum Wien

(APA/Red.)

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