Literaturnobelpreis 2008: Die aussichtsreichsten Kandidaten

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Kommende Woche vergibt die Schwedische Akademie den Nobelpreis für Literatur. Bekommen soll ihn derjenige, "der in der Literatur das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat".

Nominierungen werden im Vorfeld nicht bekanntgegeben, Markenzeichen von Jury-Sekretär Horace Engdahl ist der Überraschungseffekt. Der alljährliche Spekulations-Zirkus läuft jedenfalls auf Hochtouren. Hier die am häufigsten genannten Kandidaten.(c) Reuters
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Der syrisch-libanesische Dichter und Essayist Adonis (78), im bürgerlichen Namen Ali Ahmad Said, scheint gute Chancen zu haben. Lyrik oder eine nicht fiktive literarische Gattung wie der Essay könnten nach den Preisen für die Romanciers Orhan Pamuk (2006) und Doris Lessing (2007) auch dieses Jahr "heiße Spuren" sein.(c) Wikicommons
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Aus demselben Grund wird auch der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer (77) - Daueranwärter für den Nobelpreis - dieses Jahr als Favorit gehandelt. Er ist der meistübersetzte skandinavische Dichter des 20. Jahrhunderts, bei einem Gesamtwerk von weniger als einhundert Gedichten.(c) Wikicommons
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Mögliche weibliche Anwärterin für den Preis ist die Kanadierin Margaret Atwood (78). Sie schreibt Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik und gilt als eine der renommiertesten Autorinnen im englischsprachigen Raum. Gegen sie spricht, dass sie als weibliche, englischsprachige Romanautorin wohl zu stark an die Preisträgerin des letzten Jahres, Doris Lessing (88) erinnern würde.(c) AP
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Ein Daueranwärter mit guten Aussichten auf den diesjährigen Preis ist der US-Amerikaner Thomas Pynchon (70). Wichtigster Einwand gegen seine Nominierung ist, dass er die Öffentlichkeit scheut und sich nicht einmal fotografieren lässt. Einzig zu einem Auftritt bei den "Simpsons" ließ er sich überreden: als Cartoonfigur mit einer Papiertüte auf dem Kopf. Für ihn spricht unter anderem, dass er relativ sparsam schreibt: Fünf Romane und zwei Kurzgeschichten-Sammlungen hat er seit seinem Erstling "V." (1976) veröffentlicht.(c) Wikicommons
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Die Jury berücksichtigt bei ihrer Entscheidung nämlich das komplette Oevre eines Autors. Das spricht gegen Philip Roth (74). Der US-Amerikanische Romancier "spuckt" förmlich einen Roman nach dem anderen aus, 2008 veröffentlichte er mit "Exit Ghost" sein 28. Werk.(c) AP
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Mit Don DeLillo (71) ist ein weiterer US-Amerikaner unter den aussichtsreichsten Kandidaten. Jury-Sekretär Horace Engdahl qualifizierte die US-Schriftsteller jedoch erst kürzlich als "zu empfänglich für die Trends ihrer eigenen Massenkultur" ab. Später relativierte er die Aussage aber: Nur das Werk sei entscheidend, nicht die Herkunft des Schriftstellers.(c) amazon.com
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Nach Engdahls Urteil über die US-amerikanischen Schriftsteller drängen sich europäische Namen stärker auf. Etwa der Portugiese António Lobo Antunes (66), mit seinen Werken über Portugals Geschichte und Gegenwart ("Reigen der Verdammten") seit langem im engsten Favoritenkreis für den Nobelpreis.(c) APA
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Auch der Italiener Claudio Magris (69) rückt so in den Vordergrund. Er schaffte den Durchbruch als Schriftsteller im Jahr 1986 mit "Danubio", einer literarischen Reise entlang der Donau. Er führt derzeit die Nobelpreis-Wetten des Online-Buchmachers Ladbrokes an.(c) APA
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Der australische Poet Les Murray (69) schien bereits im vergangenen Jahr in der engeren Auswahl zu sein. "Der Mann, in dem die Sprache lebt", wie ihn Dichterkollege Joseph Brodsky bezeichnete, hat an die 30 Gedichtbände veröffentlicht. Die Zeitung "The New Yorker" reihte ihn unter die "drei oder vier führenden englischsprachigen Dichter" seiner Generation.(c) Amazon
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Ebenfalls schon letztes Jahr unter den Favoriten war der israelische Schriftsteller und Friedensaktivist Amos Oz (69). Er hat eine Reihe von Romanen und Erzählungen, einige Essaybände und drei Kinderbücher verfasst. Sein Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" (2004) ist eine fiktive Biografie und eine Skizze der israelischen Geschichte und wurde zum internationalen Bestseller.(c) AP
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Beim Rätselraten um den diesjährigen Preisträger dürfen auch lateinamerikanische Autoren nicht fehlen. So etwa der Peruaner Mario Vargas Llosa (72), der schon mit seinem ersten Roman "Die Stadt und die Hunde" (1963) Aufsehen erregte: Das Buch, eine Aufarbeitung von Vargas Llosas Erfahrungen in der Militärschule, wurde 1964 in Lima öffentlich verbrannt.(c) EPA
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Auch Carlos Fuentes (79) werden Chancen eingeräumt. Er ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Mexikos. und beschäftigt sich in seinen Erzählungen, Essays und Romanen mit dem Alltag und der Geschichte Mexikos. Als sein bekanntester Roman gilt "Terra Nostra" (1975), ein phantastisch-visionäres Werk, in dem Fuentes versucht, der Weltgeschichte und besonders der Geschichte Lateinamerikas eine "zweite Chance" zu geben.(c) AP
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Auch der Name Haruki Murakami fällt, wenn es um Anwärter für die diesjährige Auszeichnung geht. Auf der Seite des Ladbrokes-Wettbüros wird der Japaner auf Platz sechs gereiht. Der Romancier ist sicherlich der bekannteste japanische Autor der Gegenwart. Seine Romane - etwa "Wilde Schafsjagd" (1982), "Gefährliche Geliebte" (2000) und "After Dark" (2005) - sind häufig im Stil des magischen Realismus gehalten. Kritiker werfen ihm einen stark "verwestlichten" Stil vor.(c) AP (PETR DAVID JOSEK)
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Namen österreichischer Autoren tauchen bloß am Rande auf. Unter ihnen etwa Friederike Mayröcker (83), die Grande Dame der österreichischen Literatur...(c) APA
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...und Peter Handke (66), dem Spekulanten wie jedes Jahr eine minimale Chance einräumen. Allenfalls könnte er für den Überraschungseffekt gut sein. Traditionellerweise fällt die Entscheidung der Jury nämlich auf einen Kandidaten, der nicht im engeren Kreis der Favoriten zu finden ist.(c) APA
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Das könnte die Gelegenheit für den Pop-Poeten Bob Dylan (67) sein. Eine Auszeichnung des Musikers ("I'm a poet, I know it") würde der Tatsache Rechnung tragen, dass die Popkultur den Begriff von Literatur entscheidend verändert hat und bestimmt für Aufsehen sorgen.(c) AP
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