Ist Tex Rubinowitz der "Guttenberg des Feuilletons"?

Der Bachmann-Preisträger bediente sich für einen Text über vossianische Antonomasien beim Blog "Umblätterer".

INTERVIEW: TEX RUBINOWITZ
INTERVIEW: TEX RUBINOWITZ
(c) APA/GEORG HOCHMUTH

In der Beschreibung zum Autor, die im Magazin der „Süddeutschen“ am Ende jedes Textes erscheint, stand es. Dass Tex Rubinowitz, Wiener Zeichner und 2014 zum Bachmann-Preisträger gekürter Autor mit deutschen Wurzeln, sehnsüchtig darauf warte, mit irgendwem verglichen zu werden. Drei Tage später hatte er den Vergleich: Der deutsche Feuilleton-Blog „Der Umblätterer“ nannte Rubinowitz in Anlehnung an den ehemaligen deutschen Minister, der einst beim Plagiieren ertappt wurde, „den Guttenberg des Feuilletons“ – und das kam so: Rubinowitz schrieb im jüngsten „SZ Magazin“ eine Glosse über „vossianische Antonomasien“. Das sind bildhafte Vergleiche für Menschen oder Dinge. So nannte „Die Presse“ Daniel Kehlmann einmal „den Stefan Zweig der Post-Post-Moderne“, die "Frankffurter Allgemeine Sonntagszeitung" bezeichnete die Eisenbahn als "das Internet des 19. Jahrhunderts" und die Autorin Juli Zeh wurde in der „Taz“ zur „Jeanne d'Arc des digitalen Zeitalters“.

Rubinowitz: „Es ist unverzeihlich“

Rubinowitz hatte in seinem Text einige Antonomasien angeführt und bemerkt: „Das stand alles genau so in der Zeitung oder online.“ „Der Umblätterer“ fand das nicht korrekt zitiert, sah fast alle Beispiele aus seiner Onlinesammlung entnommen. Zerknirscht und einsichtig zeigte sich Rubinowitz und postete unter der Kritik an ihm: „Es ist unverzeihlich, dass ich mich an Ihrer Sammlung undeklariert schadlos gehalten habe, das tut mir wirklich leid, jede Ausrede ist überflüssig.“ Er gab auch zu, die Wikipedia-Definition der „vossianischen Antonomasien“ kopiert zu haben – und bot an, der „Umblätterer“ könne sich im Gegenzug an einer seiner Wortkreationen bedienen: „So habe ich das früher immer mit Max Goldt (deutscher Autor, Anm.) gemacht, wir hatten ein Abkommen, jeder kann in moderaten Dosen Ideen des anderen verwenden, also ich biete Ihnen hier jetzt ebenfalls an: bedienen Sie sich, wenn Sie etwas brauchen, verwenden Sie es.“

Ein Poster schlug vor, Rubinowitz solle sein Honorar mit den Blogbetreibern teilen, was diese aber ablehnten. Schließlich einigte man sich gütlich und Rubinowitz willigte ein, die Hälfte seines Honorars an die Online-Enzyklopädie Wikipedia zu spenden.

>> Link zum Umblätterer-Text

(awa)

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