Die Guillotine und die Geister

Fred Vargas liefert mit »Das barmherzige Fallbeil« allerfeinste Krimikost aus Frankreich.

Die Tageszeitung „Le Monde“ sprach schon vor Jahren von der „Magie Vargas“. Dass die Großmeisterin des französischen Krimis nichts von ihrer Zauberkraft verloren hat, zeigt ihr jüngstes Buch „Das barmherzige Fallbeil“. Darin schickt Fred Vargas ihren Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg auf eine atemberaubende Rätselrallye, die ihn bis in den hohen Norden, auf von Dämonen bewohnte isländische Inseln, und weit zurück in die französische Vergangenheit, in die Zeit der Revolution führt.

Ausgangspunkt des Romans sind zwei mysteriöse Tode, die auf Selbstmord hindeuten, doch Adamsberg und seine Truppe finden an jedem Tatort eine schematische Zeichnung, die eine Guillotine darstellen könnte. Nachforschungen ergeben, dass es sich doch um Mord handelt und die Opfer, eine pensionierte Mathematiklehrerin und ein steinreicher Gutsherr, vor Jahren an einer unglückseligen Island-Expedition teilnahmen, von der zwei Personen nicht mehr zurückkehrten. Außerdem hatten beide mit einer Gesellschaft zu tun, die sich dem Andenken des Revolutionärs Robespierre widmet.

„Das barmherzige Fallbeil“ kann alles und mehr, wofür Vargas von ihren Fans geliebt wird. Die Handlung ist bis zum Schluss überraschend und mit den für Vargas typischen schrägen Elementen ausgestattet. Der tagträumende Kommissar Adamsberg ist schrullig wie eh und je, ohne die unsympathischen Züge früherer Bücher. Die Auseinandersetzung mit den anderen verschrobenen Mitgliedern seiner „Brigade criminelle“ funktioniert diesmal in Perfektion. Insgesamt ganz großes Krimikino. do

Fred Vargas: „Das barmherzige Fallbeil“, übersetzt von: Waltraud Schwarze, Limes, 512 S., 20,60 € .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.11.2015)

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