Historikerin Brigitte Hamann ist tot

Bekannt wurde die gebürtige Deutsche vor allem mit ihrem Buch "Hitlers Wien – Lehrjahre eines Diktators". Sie wurde 76 Jahre alt.

Brigitte Hamann (Archivbild aus dem Jahr 2006)
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Brigitte Hamann (Archivbild aus dem Jahr 2006)
Brigitte Hamann (Archivbild aus dem Jahr 2006) – Clemens Fabry

Brigitte Hamann ist tot. Die Historikerin und Autorin starb im Alter von 76 Jahren, wie der "Standard online" unter Berufung auf ihre Familie meldet. Die gebürtige Deutsche wurde unter anderem durch Bücher über die Habsburger populär. Ihren Durchbruch feierte sie mit einer überarbeiteten Fassung ihrer Dissertation über Kronprinz Rudolf. Ihr 1988 erschienenes Lexikon "Die Habsburger" gilt als Standardwerk.

Geboren wurde die Volksbildnerin in Sachen Geschichte als Brigitte Deitert am 26. Juli 1940 in Essen. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Münster und an der Universität Wien. 1963 legte sie ein Examen als Realschullehrerin ab und versuchte sich anschließend als Journalistin. 1965 heiratete sie den 1994 verstorbenen Wiener Historiker und Universitätsprofessor Günther Hamann, bei dem sie auch als Assistentin arbeitete.

Doktorarbeit über Kronprinz Rudolf

Im Alter von fast 40 Jahren schloss sie ihre Doktorarbeit über das Leben von Kronprinz Rudolf ab. Im gleichen Jahr, 1978, arbeitete sie ihre Dissertation zu einem Buch um: "Rudolf, Kronprinz und Rebell" bescherte ihr sogleich den Durchbruch als Autorin. Fast 30 Jahre später diente das Buch als Grundlage für Robert Dornhelms 2006 erschienenen Fernsehfilm-Zweiteiler "Kronprinz Rudolf", dem die Historikerin als Beraterin zur Seite stand.

1981 folgte ihre bis heute wohl bekannteste Biografie, "Elisabeth, Kaiserin wider Willen", die weltweit Anklang fand und in viele Sprachen übersetzt wurde. Neben weiteren Werken über die Habsburger, Winifred Wagner und Bertha von Suttner wandte sich Hamann der Zeitgeschichte und heiklen, gemeinsamen deutsch-österreichischen Themen zu. "Hitlers Wien, Lehrjahre eines Diktators" aus dem Jahr 1996 wurde zu einen Standardwerk. Anlässlich des Mozart-Jahres 2006 veröffentlichte Hamann den umfangreichen Band "Mozart - Sein Leben und seine Zeit". Im Jahr 2008 folgte "Hitlers Edeljude, Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch", 2009 erschien "Österreich. Ein historisches Porträt".

"Unverzichtbare mahnende Stimme"

Die Historikerin, die gut 50 Jahre lang die österreichische Staatsbürgerschaft besaß, nahm auch immer wieder in der Öffentlichkeit zu historischen, zeitgeschichtlichen oder politischen Themen Stellung. So forderte sie unter anderem eine kommentierte Neuausgabe von "Mein Kampf", "damit die jüngere Generation nicht auf all die Lügengeschichten Hitlers reinfällt". Auch die Jury für den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels, den sie 2012 erhielt, würdigte Hamanns "unverzichtbare mahnende Stimme": "In ihren Arbeiten appelliert sie, alles zu tun, um die Entstehung sozialer Gegensätze und wirtschaftlicher Notlagen zu vermeiden, wie sie etwa zum Aufstieg des Nationalsozialismus beigetragen haben."

Neben dem Buchhandels-Ehrenpreises wurde Hamann bisher u. a. mit dem Anton-Wildgans-Preis (1995), dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1998), dem Ehrenpreis des Presseclubs Concordia (2002), dem Preis der Stadt Wien für Publizistik (2004) sowie mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber (2006) ausgezeichnet.

(APA)

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