Christian Tramitz: „Winnetou fand ich langweilig!“

Christian Tramitz, Star in Komödien wie „Der Schuh des Manitu“, über seine Heldin Pippi Langstrumpf – und wie sein Großvater Paul Hörbiger über den Zaun sprang.

Ohrwurm Bakabu auf dem gefahrvollen Weg zur Donnerinsel: „Bakabu und der goldene Notenschlüssel“ von Ferdinand Auhser, Cecilie M. Lederer, Manfred Schweng. Tramitz hat es als Hörbuch aufgenommen.
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Ohrwurm Bakabu auf dem gefahrvollen Weg zur Donnerinsel: „Bakabu und der goldene Notenschlüssel“ von Ferdinand Auhser, Cecilie M. Lederer, Manfred Schweng. Tramitz hat es als Hörbuch aufgenommen.
Ohrwurm Bakabu auf dem gefahrvollen Weg zur Donnerinsel: „Bakabu und der goldene Notenschlüssel“ von Ferdinand Auhser, Cecilie M. Lederer, Manfred Schweng. Tramitz hat es als Hörbuch aufgenommen. – (c) www.babaku.at

Die Presse: Sie haben gerade das Hörbuch zu „Bakabu und der goldene Notenschlüssel“ aufgenommen, ein Märchen, das Kinder zum Musikmachen ermutigen soll. Welche Geschichten mochten Sie als Bub?

Christian Tramitz: Pippi Langstrumpf! Das war Avantgarde. Schlimm finde ich „Benjamin Blümchen“ oder „Bibi Blocksberg“. Solche braven Sachen haben mir nie gefallen.

 

Haben Sie sich als Kind gefürchtet?

Vor den Donnertrommlern in „Bakabu“ hätte ich mich sicher gefürchtet. Das Schlimmste waren „Struwwelpeter“ oder „Hänsel und Gretel“. Wenn ich meinen Kindern Märchen vorgelesen habe, habe ich sie immer etwas variiert. Bei „Hänsel und Gretel“ haben die Kinder am Schluss mit der Hexe Plätzchen gebacken.

 

Haben Sie als Bursch Karl May gelesen?

Niemals. „Winnetou“ fand ich so langweilig.

 

Sie haben vier Kinder aus zwei Ehen. Glauben Sie an Pädagogik?

Überhaupt nicht! Ich hatte ein Buch: „Auch Ihr Kind kann aufhören zu schreien!“ So ein Blödsinn. Ich hab es weg geworfen. Bauchgefühl ist das Wichtigste in der Kindererziehung und nicht der Kopf.

 

Vorbildwirkung ist wichtig, sagt man.

Hoffentlich nicht. Ich bin als Vorbild relativ ungeeignet. Meine Kinder wissen das auch, weil ja leider meine Zeugnisse aus der Schulzeit noch existieren.

 

Sie sind nicht gern zur Schule gegangen?

Bis zehn schon. Im Gymnasium hatte ich in der siebten Klasse arge Schwierigkeiten in Naturwissenschaften. Ich habe darunter gelitten, dass ich Nachhilfe brauchte. Als Kind kommt man sich schnell blöd vor, kein schönes Gefühl. Das wollte ich meinen Kindern ersparen. Darum sagte ich ihnen ehrlich: Mathe hab ich auch nie verstanden.

 

Sie haben Geige gespielt?

Das mache ich immer noch, wenn keiner daheim ist. Mein Bruder übt vier Stunden am Tag. Er ist bei den Wiener Symphonikern. Ich wollte auch Berufsmusiker werden. Geigespielen war das einzige, was mir viel Spaß gemacht hat und wo ich ehrgeizig war. Wir waren in Gruppen aufgeteilt. Ich war 12. Unter mir war Anne-Sophie Mutter. Mit acht hat sie das Mendelssohn-Violinkonzert gespielt. Da wusste ich, mein Talent ist zu klein. Ein Dämpfer. Ich wurde ja als so eine Art Wunderkind gehandelt: Guck mal, wie der Junge schön Geige spielt, hieß es.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Paul Hörbiger, ihren Großvater?

Ich habe die Sommerferien immer bei ihm in Wieselburg verbracht. Ich habe oft mit ihm im Garten gearbeitet. Es kamen Reisebusse mit Fans in der Hoffnung, ihn zu sehen. Aber er wollte sich natürlich nicht hinstellen und mit der Ziehharmonika Wiener Lieder spielen. Er war gar nicht wie in seinen Filmen. Er war ein sehr wacher, politischer und kritischer Mensch. Einmal habe ich erlebt, wie er über den Zaun abgehauen ist.

 

Wie ist das bei Ihnen? Sie spielen ja viel in Komödien. Können Sie auch ernst sein?

Es ist schwierig in Deutschland, wenn man einmal das Image des Komödianten hat, wird man immer wieder in Lustspielen besetzt. Ich hatte aber auch ernste Rollen. In Michael Glawoggers Verfilmung von Josef Haslingers „Das Vaterspiel“ habe ich mitgewirkt. In „Altes Geld“ von David Schalko habe ich einen Psychopathen gespielt.

 

Ist es leichter Komödien als ernste Geschichten zu spielen?

Keineswegs! Wenn die Leute in einer Komödie nicht lachen, weißt du, du hast versagt. Und bringen Sie einmal einen Saal voller Kritiker zum Lachen! In einer Tragödie guckst du traurig und rührst in deinem Kaffee – und keiner kann so genau messen, ob das jetzt gut war oder nicht. Für mich sind Tragikomödien die Idealform.

 

Welche Filme sehen Sie gern?

Im Moment dänische, vorzugsweise von Anders Thomas Jensen: „Adams Äpfel“, „Men and Chicken“, „Flickering Lights“. Im Flugzeug schaue ich amerikanische Horrorfilme. Den Trailer vom Remake von „Es“ von Stephen King hab ich gesehen. Großartig.

 

Im deutschen Film hat sich viel verändert, zum Guten, was meinen Sie?

Ich finde nicht, dass sich viel verändert hat: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer oder beide. Das ist das, was kommerziell erfolgreich ist. Sonst sehe ich gerade wenig, was mich interessiert. Kommerzfilme mit Anspruch gibt es in Deutschland nicht. Ganz zum Unterschied von Österreich: „Braunschlag“ von Schalko fand ich großartig. Mit Schalko würde ich gern wieder was machen. Und Michael Haneke ist sowieso wunderbar.

 

Müssen Sie je wie Ihr Großvater über den Zaun flüchten? Vor weiblichen Fans?

Nein. Die einzigen, die mich wirklich sehr oft erkennen, sind Kinder, zum Beispiel auf der Skipiste. Manche seufzen: „Nie hat man seine Ruhe!“ Ich nicht. Ich freue mich. Ich gebe gern Autogramme. Das gehört zum Job. Schön, wenn einen Leute erkennen!

ZUR PERSON

Christian Tramitz, geboren 1955 in München, war der Beau in Kultfilmen wie „Traumschiff Surprise“ oder „Schuh des Manitu“. Er studierte Philosophie, Theaterwissenschaften, wirkt auch als Synchronsprecher („Alf“, „Cars“). Mit Michael „Bully“ Herbig und Rick Cavanian produzierte er ab 1997 die Bully-Parade. Zum 20-Jahr-Jubiläum kommt im August ein Kinofilm heraus. Tramitz spielt auch den Polizeiobermeister Franz Hubert im Krimi „Hubert & Staller“. [ Michele Pauty ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2017)

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