Von Geistern, Füßen und Cowboys

J. Paul Henderson entwirrt in „Der Vater, der vom Himmel fiel“ auf oft wahnwitzige Weise die verschiedenen Fäden einer Familiengeschichte. Das Lachen darf ruhig laut sein.

J. Paul Henderson „Der Vater, der vom Himmel fiel“, übersetzt von Jenny Merling. Diogenes Verlag, 352 Seiten, 20,60 Euro.
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J. Paul Henderson „Der Vater, der vom Himmel fiel“, übersetzt von Jenny Merling. Diogenes Verlag, 352 Seiten, 20,60 Euro.
J. Paul Henderson „Der Vater, der vom Himmel fiel“, übersetzt von Jenny Merling. Diogenes Verlag, 352 Seiten, 20,60 Euro. – (c) Diogenes Verlag

Da reist Greg, der Sohn des verstorbenen Lyle, extra aus den USA zur Beerdigung von Letzterem an, und statt sich in der alten Heimat England einfach nur den üblichen Schwierigkeiten mit Bruder, Schwägerin, Onkel und Nachbarin widmen zu dürfen, steht plötzlich der Verblichene vor Greg und fordert von ihm, zwei wichtige Familienangelegenheiten zu klären. Aufgrund von internen Organisationsproblemen im Jenseits hat Lyle noch einmal 20 Tage Aufschub erhalten, in denen er sich ein paar Stunden täglich einer Person zeigen darf, eben Greg.

Die Probleme betreffen nun einerseits Billy, Lyles älteren Sohn und Gregs Bruder, und andererseits Onkel Frank, Lyles Bruder. Billy wirke schon seit Längerem sehr bedrückt, er wäre aber nicht draufgekommen, was das Problem war, erzählt der zurückgekehrte Lyle. Onkel Frank dagegen habe sich in letzter Zeit ein paar Mal auf dem Polizeirevier für Überfälle gestellt, die er aber nicht selbst begangen hat. Was dahintersteckt, das soll Greg herausfinden.

Aufgrund eines Streits, der in der Beleidigung von Gregs Schwägerin Jean, Billys Frau, gipfelte, haben Greg und Billy seit sieben Jahren kein Wort miteinander gewechselt, bei ihrem Wiedersehen ist der Streit aber vergessen. Einzig die Schwägerin ist nach wie vor schlecht auf Greg, das schwarze Schaf der Familie, zu sprechen, wie sie auch von Billy nicht allzu viel hält.

Billy gesteht Greg, vor einiger Zeit seinen Job verloren zu haben, wovon Jean allerdings nichts weiß. So lügt er ihr, die sich für den Vertreterjob ihres Mannes in Grund und Boden schämt, vor, regelmäßig auf Geschäftsreisen zu gehen oder nach London zu Terminen zu fahren. Indes hat Billy ein wirklich ernsthaftes Problem, von dem niemand etwas weiß – er hat Angst vor Füßen. Und diese Angst trägt sogar einen Namen: Podophobie.

Onkel Frank indes verteufelt Gott und die Welt, vor allem aber die britische Regierung, die ihn, so ist er überzeugt, seit Langem überwacht. Daher funktioniere etwa sein Fernsehgerät sein Langem nicht mehr. Dass die Dysfunktion aber lediglich auf die Umstellung der Fernsehübertragung von analog auf digital zurückzuführen ist, ist für ihn kein Argument. Greg erfährt außerdem, dass Onkel Frank tatsächlich einen Raubüberfall plant. Genau deshalb hat er sich bereits einige Male von der Polizei verhaften lassen: So würde er, meint Onkel Frank, eben auch bei seinem echten Überfall problemlos wieder freigelassen werden. Der Grund für das Vorhaben ist Geldnot, denn er hat einen Plan, der natürlich Geld erfordert: Er will Cowboy werden.

Mehr als schräg ist Lyles Aufzug,der während seiner zeitlich begrenzten irdischen Rückkehr keine Hosen, sondern nur Kleider tragen kann. So kommt es allabendlich einer skurrilen Modenschau gleich, wenn Lyle bei Greg in einem der Kleider seiner bereits vor langer Zeit verstorbenen Frau, Gregs und Billys Mutter, erscheint.

Schließlich trifft Greg auf sein ganz persönliches Gespenst seiner Vergangenheit und wird mit einer Jugendsünde konfrontiert. Jede Figur hat also ihr sprichwörtliches Binkerl zu tragen und ist auf seine Weise Teil des liebenswert-verrückten Familiengefüges.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2017)

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