Anna Baar: Von der Schwere des Südens

Er hat viel erlebt und erlitten. Zu Beginn von Anna Baars Roman „Als ob sie träumend gingen“ klaubt der sterbende kroatische Partisan Klee seine Erinnerungen zusammen. Am Ende liegt ein strapaziöses Leben des 20. Jahrhunderts in Bruchstücken vor – kunstvoll gemacht, doch überladen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Anna Baar gibt den kleinen Prinzen, wenn sie im Vorspruch ihres Romans „Als ob sie träumend gingen“ den Leser auffordert, nicht „im Augenschein die Wahrheit“ zu suchen, sondern als „Liebender und offenen Herzens Staunender“. Ihre Biografie des Partisanenkämpfers Klee ist deshalb nicht als Chronologie der Ereignisse hin angelegt, sondern als Traumprotokoll. Das ist ein legitimes Verfahren der Literatur. Schließlich geht es nicht um eine historische, sondern um eine Wahrheit, die über die Tatsachen hinausweist. Es geht um das Sichtbarmachen der Tragik eines Lebens, nicht um das konkrete Leben, wie es verlaufen ist. Auch Büchners „Danton“ oder Schillers „Wallenstein“ oder Stefan Zweigs „Maria Stuart“ ist als Biografie unbrauchbar, doch welche Perspektiven eröffnen sie!

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2017)

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