Der recht talentierte Mister Hanks

Mit „Schräge Typen“ legt der Schauspieler Tom Hanks seine erste Sammlung von Kurzgeschichten vor. Das verbindende Element ist eine Hommage an die Schreibmaschine.

Tom Hanks ging unter die Autoren, das Hörbuch im Original liest er selbst.
Tom Hanks ging unter die Autoren, das Hörbuch im Original liest er selbst.
Tom Hanks ging unter die Autoren, das Hörbuch im Original liest er selbst. – (c) Austin Hargrave/ Columbia Pictures Industries, Inc.

November 2017, in einer großen Buchhandlung in Londons Piccadilly: Schauspieler in altertümlichen Verkleidungen hämmern mit übertriebenen Bewegungen auf antike Schreibmaschinen ein. Zwischen ihnen schlängelt sich ein roter Teppich durch den Raum. An seinem Ende sitzt ein Überraschungsgast: der Schauspieler Tom Hanks. Er lacht laut, plaudert, gestikuliert – und signiert seine erste Sammlung von Kurzgeschichten.

Schon der Titel „Schräge Typen“ ist eine Hommage an Hanks' Leidenschaft für Schreibmaschinen. Zwischen 150 und 160 habe er daheim, erzählt er später bei einer Buchpräsentation im „National Theatre“. Er liebe nicht nur die technische Vielfalt, sondern vor allem auch die Beständigkeit dessen, was damit geschaffen werden kann. „Selbst wenn man ein profanes Wort wie ,Avocado‘ tippt, hat das mit einer Schreibmaschine ein anderes Gewicht“, sagt Hanks.

So geht es auch vielen Charakteren in seinen 17 Kurzgeschichten. Obwohl der Schauspieler den Bogen von 1953 bis heute spannt, die Geschichten an verschiedenen Orten spielen und die Akteure vom zehnjährigen Kind bis zum alternden Journalisten reichen, sind sie alle auf der Suche nach Beständigkeit und Gleichgewicht. Deutlich wird das etwa in der Geschichte „Das sind die Betrachtungen meines Herzens“, in der eine junge, frisch getrennte Frau eine billige Schreibmaschine reparieren lassen will. Aus dieser Fünf-Minuten-Erledigung wird ein langes Gespräch mit dem Reparateur, aus dem sie mit einer Schweizer Hermes 2000, dem Rolls-Royce unter den Schreibmaschinen, hervor- und nach Hause geht. Dort schreibt sie zuerst eine Einkaufsliste, und dann „Eine Betrachtung von meinem Herzen“, die irgendwann ihre Kinder lesen sollen.


Der Wert von Freundschaft. Tom Hanks kam durch die Ermutigung der Drehbuchautorin Nora Ephron zum Schreiben und wurde unter anderem bereits im „New Yorker“ veröffentlicht. Zwar ist es immer schwierig, wenn der Meister eines Fachs sich in einem anderen versucht (er wird entweder mit einer besonders hohen Latte gemessen oder nicht ernst genommen), doch braucht Hanks den Vergleich nicht zu scheuen. Manche Geschichten sind besser als andere, doch schon der Einstieg ist mit „Drei erschöpfende Wochen“ ein gelungener. Akkurat porträtiert Hanks die Fallen moderner Beziehungen und die Beständigkeit von Freundschaft. Die vier Freunde aus dieser Geschichte tauchen noch zweimal auf: einmal mit einem Flug zum Mond (wirklich?) und einmal mit einer Geschichte darüber, dass Talente nicht immer benutzt werden müssen.

Öfter wiederkehrend ist auch der alternde Journalist Hank Fiset, der die trudelnde und trubelnde Welt rund um sich durch eine distanziert-nostalgische Brille betrachtet. Seine Zeitungskolumnen gehören zu den einfallsloseren Stücken, stechen ausschließlich typografisch aus dem Buch hervor.

Das ist auch dem Motiv geschuldet, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichten zieht. In allen tritt eine Schreibmaschine auf, als Erwähnung en passant oder als wichtigstes Requisit. Die Suche nach dem Hinweis wird bald Teil des Leseerlebnisses.


Kenny freut sich – fast. Besonders berührend ist Hanks' Geschichte „Ein besonderes Wochenende“ über den zehnjährigen Kenny, der in einer komplizierten Patchwork-Formation zurechtkommen muss (ähnlich wie Tom Hanks selbst). Kennys gespaltene Einstellung dem Geburtstagswochenende mit seiner Mom gegenüber ist wunderbar feinfühlig geschildert: die eigentlich unbändige Freude eines Buben, die er sich aber – nur zur Sicherheit – doch nicht zu zeigen traut.

Hanks schreibt mit einer durch und durch amerikanischen Stimme, bei der man immer wieder den Autor in einer seiner berühmten Rollen hört. Und natürlich gibt es diese Chance tatsächlich, denn die Hörbuchausgabe von „Schräge Typen“ wird im Original („Uncommon Type“) von niemand anderem gelesen als, genau, Tom Hanks. Der seine Kurzgeschichten übrigens am Computer geschrieben hat.

Neu erschienen

Tom Hanks
Schräge Typen


Übersetzt von
Werner Löcher-Lawrence
Piper Verlag
352 Seiten
22,70 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2018)

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