Christoph Ransmayr auf Longlist des Man Booker International Prize

Auf Deutsch ist "Der fliegende Berg" schon 2006 erschienen. Der in Oberösterreich geborene Autor unternahm dabei ein recht extremes formales Experiment.

Christoph Ransmayr erzählt stets von fernen Welten.
Christoph Ransmayr erzählt stets von fernen Welten.
Christoph Ransmayr erzählt stets von fernen Welten. – imago/Horst Galuschka

"Ich starb
6840 Meter über dem Meeresspiegel
am vierten Mai im Jahr des Pferdes.

Der Ort meines Todes
lag am Fuß einer eisgepanzerten Felsnadel,
in deren Windschatten ich die Nacht
überlebt hatte"

So beginnt Christoph Ransmayrs Roman "Der fliegende Berg", der in der Todeszone des Himalaya angesiedelt ist. Sehr ungewöhnlich: Die Zeilen sind ungleich lang, man würde diesen "Flattersatz", wie es Ransmayr nennt, der Lyrik zuordnen. Doch der in Oberösterreich geborene Autor schreibt eingangs, dass dieser Flattersatz (oder der fliegende Satz) frei sei und nicht allein den Dichtern gehöre.

Sein formales Experiment kommt nun, zwölf Jahre nach dem Erscheinen auf Deutsch, zu einiger Ehre: Mit der englischen Übersetzung seines 2006 erschienenen Bergsteigerroman ist Ransmayr auf der Longlist für den "Man Booker International Prize 2018". Bekannt ist der mittlerweile 63-Jährige vor allem durch seine hoch gelobten Romane "Die letzte Welt" und "Morbus Kitahara". Zuletzt erschien "Cox oder Der Lauf der Zeit", das nicht denselben Erfolg hatte.

Weitere Nominierte

Unter den 13 ausgewählten Titeln des Preises befinden sich auch Bücher der früheren Gewinner Han Kang (2016) und Laszlo Krasznahorkai (2015). 108 Bücher seien von der Jury beurteilt worden, hieß es in einer Aussendung. Jeder Autor und jeder Übersetzer, der es auf die für den 12. April annoncierte Shortlist schafft, erhält 1.000 Pfund (1.124,95 Euro). Am 22. Mai wird bei einem Dinner im Victoria and Albert Museum in London der Sieger gekürt, der Preis von 50.000 Pfund wird zwischen Übersetzer und Autor geteilt.

Ransmayrs weitere Konkurrenten sind der Franzose Laurent Binet, die Spanier Javier Cercas und Antonio Munoz Molina, die Französin Virginie Despentes (mit "Vernon Subutex 1"), die Deutsche Jenny Erpenbeck (mit der Übersetzung von "Gehen, ging, gegangen"), die Argentinierin Ariana Harwicz , der Iraker Ahmed Saadawi, die Polin Olga Tokarczuk, der Taiwanese Wu Ming-Yi und die Spanierin Gabriela Ybarra.

"The Flying Mountain" ist im Verlag Seagull Books erschienen. 2016 hatte es Robert Seethaler mit seinem Roman "Ein ganzes Leben" (englische Übersetzung: "A Whole Life") als erster Österreicher auf die Shortlist des Man Booker International Prize geschafft.

 

(rovi/APA)

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