Leipziger Buchmesse verteidigt Zulassung rechter Verlage

Beim Festakt zur Eröffnung der Buchmesse gab es ein klares Plädoyer gegen Ausgrenzung und für Diskurs. Zuvor gab es Proteste gegen rechte Verlage.

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Proteste gegen rechte Verlage – APA/AFP/dpa/SEBASTIAN WILLNOW

Mit einem Aufruf zu Respekt, Toleranz und Vielfalt startet die Literaturbranche auf der Leipziger Buchmesse in den Bücherfrühling. Angesichts des Erstarkens rechter Kräfte und Verlage sagte Börsenvereinschef Heinrich Riethmüller am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier, die gesamte Zivilgesellschaft sei gefordert, sich wieder mehr mit inhaltlichen Themen auseinanderzusetzen und auch extreme Positionen nicht wegzuschweigen.

"Ein lebendiger Meinungsbildungsprozess, der geprägt ist von der inhaltlichen Auseinandersetzung, dem Austausch, der Diskussion und der Debatte, ist essenziell für unsere Demokratie", sagte Riethmüller bei dem Festakt im Leipziger Gewandhaus.

Riethmüller verteidigte die Zulassung rechter Verlage zu dem viertägigen Branchentreff. "Wenn wir Meinungsfreiheit ernst nehmen, müssen wir sie auch jenen zugestehen, deren Wertvorstellungen und Meinungen wir nicht teilen, ja deren Ansichten wir sogar für gefährlich halten", sagte er. Riethmüller begründete das Nein zu einer Ausgrenzung Andersdenkender mit den Erfahrungen in der NS-Zeit. Damals habe sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels aus opportunistischen Beweggründen den neuen Machthabern angedient und freiheitliche Grundwerte über Bord geworfen, sagte er. "Unser innerer Wertkompass ging uns damals verloren. Daraus haben wir gelernt."

Norwegerin Seierstad ausgezeichnet

Bei dem Festakt wurde am Mittwochabend die norwegische Autorin Åsne Seierstad mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt. Die 48-Jährige erhielt die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Buch "Einer von uns" über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik. "Schriftsteller sein heißt, die Antworten, das Schweigen, das Handeln in Worte zu fassen und auf Papier zu bringen", sagte Seierstad bei der Preisverleihung.

Zuvor haben etwa 400 Menschen in Leipzig gegen rechte Verlage auf der Buchmesse protestiert. "Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden", sagte Rene Arnsburg, Mitinitiator von #verlagegegenrechts auf der Kundgebung vor dem Gewandhaus.

Proteste gegen rechte Verlage

Es gehe nicht um ein Verbot, sondern um Widerstand. Hinter der Initiative stehen mehr als 70 unabhängige Verlage sowie rund 200 Einzelpersonen, die einen Aufruf gegen rechte Stimmungsmache auf der Buchmesse unterzeichnet haben.

Auch auf der Messe selbst hat die Initiative Aktionen geplant. "Wir wollen aber keine Tumulte. Die helfen nur den rechten Verlagen, weil sie dann in der Opferrolle sind. Wir wollen eine politische Diskussion und mit den Messebesuchern ins Gespräch kommen", sagte Arnsburg.

Buchmesse

Bei der Leipziger Buchmesse stellen bis zum Sonntag mehr als 2600 Verlage aus 46 Ländern ihre Neuerscheinungen vor. Gastland ist dieses Jahr Rumänien.

(APA/dpa)

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