Krimiautor Philip Kerr ist tot

Philip Kerr wurde vor allem durch die historische Reihe um den Berliner Privatdetektiv Bernie Gunther bekannt. Er schrieb aber auch Wissenschafts- und Fußball-Thriller sowie Kinderbücher. Kerr starb im Alter von 62 Jahren.

Philip Kerr im Jahr 2017.
Philip Kerr im Jahr 2017.
Philip Kerr im Jahr 2017. – (c) Imago (Marcello Mencarini)

Der britische Schriftsteller Philip Kerr ist tot. Das teilte der Rowohlt Verlag am Wochenende mit. "Wir trauern um Philip Kerr. Der Autor der Bernie Gunther Reihe und vieler wunderbarer Kinder- und Jugendbücher ist im Alter von 62 Jahren verstorben", hieß es in einer Twitter-Botschaft des Verlags. Zuvor hatte bereits der britische Verlag Kerrs, Quercus Books, über den Tod des Autors berichtet. Kerr starb demnach bereits am Freitag. Über die Todesursache war zunächst nichts bekannt.

Der 1956 im schottischen Edinburgh geborene Kerr wurde im deutschsprachigen Raum vor allem mit der Krimireihe um den Berliner Privatdetektiv Bernie Gunther bekannt. Die Romane spielen in der Zeit der Nazi-Diktatur und des Kalten Krieges. Der erste, "March Violets" (deutscher Titel: Feuer in Berlin), erschien im Jahr 1989. Insgesamt veröffentlichte er 13 Bücher der Reihe.

RBA-Gewinner

Im Jahr 2009 gewann er mit einem Roman aus der Bernie-Gunther-Reihe den RBA-Preis, mit 125.000 Euro ist das der höchstdotierte Krimi-Preis der Welt. Ausgezeichnet wurde er für sein Buch "If the Dead Rise Not" (deutscher Titel: "Die Adlon-Verschwörung"). Mit diesem Buch gewann er auch den Dagger Award in der Kategorie bester historischer Kriminalroman und den Barry Award in der Kategorie bester britischer Kriminalroman.

Kerr setzte sich mit seinem Werk gegen fast 170 Konkurrenten durch. Die Jury hob die Erzählkunst des Schriftstellers hervor. Das Buch erinnere an Genre-Klassiker wie etwa die Romane Raymond Chandlers. Der RBA-Preis ist 2007 von dem gleichnamigen spanischen Verlag aus Barcelona ins Leben gerufen worden. Seitdem haben diesen namhafte Genre-Autoren wie Patricia Cornwell, Michael Connelly, Lee Child, Don Winslow und Ian Rankin gewonnen.

Im Jahr 1997 hatte Kerr bereits den Deutschen Krimi Preis in der Kategorie International für seinen Roman "Das Wittgenstein-Programm" erhalten. Er war auch ein erfolgreicher Kinder- und Jugendbuchautor, unter anderem mit den Fantasy-Büchern "Kinder des Dschinn". Er schrieb auch "Friedrich der Große Detektiv", das 2017 auf Deutsch erschien - eine Art Hommage an Erich Kästners "Emil und die Detektive".

Ian Rankin reagiert erschüttert

Kerr war dem "Guardian" zufolge studierter Jurist und hatte vor seiner Karriere als Schriftsteller für verschiedene Werbeagenturen gearbeitet. Er galt als akribisch in seiner Recherche und verbrachte viel Zeit in Berlin, um Stoff für seine Romane zu sammeln. Eigenen Angaben zufolge interessierte er sich dabei aber mehr für die Menschen als für die Geschichte der Stadt. In einem Interview sagte er einmal, er bewundere die Berliner für ihren Hang zur Verweigerungshaltung.

Er beschrieb sich selbst bei Lesungen auch gern als Schreibsüchtigen. Das sagte er auch in einem "Freitag"-Interview: "Ich habe immer schon sehr viel und schnell geschrieben. Ich bin ein Süchtiger und habe keine Hoffnung auf Heilung. Warum gibt es kein Pendant der Anonymen Alkoholiker für Schriftsteller?"

Kerrs Frau, die Autorin Jane Thynne, schrieb auf Twitter: "Ruhe in Frieden geliebter Philip Kerr. Schöpfer des wundervollen Bernie Gunther. Genialer Schriftsteller und über alles geliebter Vater und Ehemann".

Der schottische Krimi-Autor Ian Rankin zeigte sich betroffen von der Nachricht über Kerrs Tod. "Seine Bernie-Gunther-Romane sind außergewöhnlich, eine Mischung aus großartigem Geschichtenerzählen und brillanter Recherche mit einem glaubhaften (a)moralischen Helden", schrieb Rankin auf Twitter.

(APA/dpa/Red.)

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