Philip Roth ist tot: Abschied eines Melancholikers

Philip Roth galt alljährlich als Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Er starb im Alter von 85 Jahren.

Autor Philip Roth.
Autor Philip Roth.
Autor Philip Roth. – (c) Reuters

Er schrieb sarkastisch und humorvoll, meist voller Melancholie. Mit Werken wie „Der Ghostwriter“, „Zuckermans Befreiung“ und „Der menschliche Makel“ wurde er zu einem der wichtigsten Literaten einer Generation. Viele Kenner sahen Philip Roth immer wieder, vor der alljährlichen Verleihung, als Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Am Ende wurde Roth kein Nobelpreisträger. Der US-Schriftsteller ist nach Medienberichten am Dienstagabend in New York an Herzversagen gestorben

Geboren wurde der Pulitzer-Preisträger 1933 in Newark - auf der anderen Seite des Hudson River, im Schatten von New York. Aufgezogen von jüdischen Immigranten, unter einfachsten Verhältnissen, lebte er im Arbeiterviertel Weequahic. Die Heimat ließ ihn nie los, viele seiner späteren Bücher führen in ein Newark seiner Jugend. So auch der 2010 erschienene Roman „Nemesis“ – er sollte sein letztes veröffentlichtes Werk werden.

"Kampf mit dem Schreiben ist vorbei"

Seit dem Ende der Fünfzigerjahre, seit seinem Debüt mit "Goodbye Columbus", hatte der Mann aus New Jersey beinahe Jahr für Jahr Klassiker der Moderne veröffentlicht. Dann zog sich der US-Autor zurück. Im Interview mit "Les Inrocks" kündigte er an, kein weiteres Werk mehr schreiben zu wollen. „Ich arbeite jetzt lieber in meinem Archiv, um es an meine Biografen weiterzugeben", verriet er den französischen Kollegen. Roth ordnete bereits seinen Nachlass, tausende Seiten mit skizzierten Erinnerungen, damit seine Lebensgeschichte später "wenigstens korrekt" aufgezeichnet werde.

Einen gelben Zettel habe er sich auf den Computer geklebt, mit einer Botschaft an sich selbst: "Der Kampf mit dem Schreiben ist vorbei.“ Als treffliches Argument für seine Entscheidung, dass es mit der Erzählkunst zu Ende sein darf, führt Roth einen weiteren Großen der Literatur an: E. M. Forster (1879-1970) habe mit etwa vierzig Jahren aufgehört, Romane zu schreiben. Forster, der große Werke wie "A Room with a View" (1908) oder "Howards End" (1910) schrieb, hat nach Fertigstellung seines ultimativen Romans "A Passage to India" noch fast ein halbes Jahrhundert gelebt. Philip Roth starb am Dienstagabend im Alter von 85 Jahren.

(Red./norb)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Philip Roth ist tot: Abschied eines Melancholikers

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.