Rosenkranz aus Blut und Tränen

Lisa McInerney seziert in ihrem Debütroman, „Glorreiche Ketzereien“, das moderne Irland. Faszinierend, wenn auch mehr als ein wenig beunruhigend.

L. McInerney: „Glorreiche Ketzereien“
L. McInerney: „Glorreiche Ketzereien“
L. McInerney: „Glorreiche Ketzereien“ – (c) Liebeskind

Der irische Fremdenverkehrsverband hat „Glorreiche Ketzereien“ wohl nicht auf die Liste seiner Lieblingsbücher gesetzt. Dafür aber umso mehr Iren und Briten, was den Debütroman der jungen Autorin und Bloggerin Lisa McInerney zu einem Überraschungserfolg machte. Schonungslos geht sie darin mit dem modernen Irland ins Gericht, das die erstickende, bigotte Atmosphäre der Nachkriegszeit noch immer nicht ganz abgeschüttelt hat.

Es ist der Unterbauch der irischen Gesellschaft, den McInerney unter die Lupe nimmt: verkrachte Existenzen, Säufer, Prostituierte, geistige Grenzgänger. Sie alle leben in Cork und sind, einem Rosenkranz aus Blut und Tränen gleich, miteinander verknüpft. Von Maureen, der Mutter von Gangsterboss Jimmy Phelan, die irrtümlich einen Einbrecher erschlägt, bis zu dem Alkoholiker Tony Cusack, der seine sechs Kinder ohne Mutter aufzieht und Maureens Fehler beseitigen soll.

Berührend und ohne den geringsten Anflug von Kitsch schildert McInerney die Versuche aller Personen, unter schwierigsten Umständen etwas Richtiges zu tun, nur um damit alles nur noch schlimmer zu machen. Gnadenlos ist hingegen ihre Abrechnung mit der katholischen Kirche und den Magdalenenklöstern, in denen ledige Mütter interniert wurden. Das alles wird in einer einzigartigen Sprache von brutalem Einfallsreichtum erzählt. Respekt gebührt Übersetzer Löcher-Lawrence.

L. McInerney: „Glorreiche Ketzereien“, übersetzt von W. Löcher-Lawrence, Liebeskind, 448 S., 24,70 €

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2018)

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