Thomas Oláh: Ein Mord in Triest

Elegant und eigenwillig umkreist Thomas Oláh in sechs Monologen den Tod des deutschen Archäologen Winckelmann.

Am 8. Juni 1768 wurde Johann Joachim Winckelmann, Begründer der modernen Archäologie, in einem Hotel in Triest von seinem Zimmernachbarn Francesco Arcangeli ermordet. Die Tat sorgte europaweit für Aufsehen, es gab Anlass für zahlreiche Spekulationen: Raubmord? Verbrechen aus Leidenschaft? Eine politische Tat?

Thomas Oláh, österreichischer Kulturhistoriker und Kostüm- und Bühnenbildner, nähert sich anlässlich des 250. Todestags von Winckelmann dem Ereignis und seiner komplexen Hauptfigur elegant und eigenwillig an: „Wozu mich das Glück noch brauchen wird?“ besteht aus sechs kurzen Monologen, die einen facettenreiches Ausschnitt des 18. Jahrhunderts zeigen.

Sechs Personen lässt Oláh zu Wort kommen: den Kriminalaktuarius Johann Veit Piechl von Ehrenleib, der am Hergang der Tat zweifelt; Kardinal Alessandro Albani, der sich Winckelmanns für seine Zwecke bediente; Bartolomeo Cavaceppi, „Ergänzer“ antiker Skulpturen und Reisegefährte Winckelmanns; Giovanni Battista Casanova, jüngerer Bruder des berüchtigten Casanova, der Winckelmann für die „Kunstgeschichte des Altertums“ Fälschungen unterjubelte; den unter dem Einfluss der Jesuiten stehenden Mörder Francesco Arcangeli; und schließlich das Opfer selbst.

Oláhs Stil ist eigenwillig, in schriftlichen Dokumenten spricht er die Sprache des 18. Jahrhunderts, im freien Monolog mischt er Vergangenheit und Gegenwart – manchmal witzig, oft pointiert.   (do)


Thomas Oláh, „Wozu mich das Glück noch brauchen wird? Leben und Sterben des Herrn Winckelmann.“ Edition Ausblick, 90 S., 24 €

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2018)

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