Der Krimiautor, der Weltliteratur schrieb

Er war populärer als Agatha Christie und nicht nur für Gabriel García Márquez der größte Autor des 20. Jahrhunderts: Georges Simenon, der Pionier des psychologischen Krimis, ist jetzt neu zu genießen – mit und ohne Kommissar Maigret.

Georges Simenon (1903–89) beim Blick ins Mailänder Hafenbecken: Es erinnerte ihn an einen Kanal in Paris.
Georges Simenon (1903–89) beim Blick ins Mailänder Hafenbecken: Es erinnerte ihn an einen Kanal in Paris.
Georges Simenon (1903–89) beim Blick ins Mailänder Hafenbecken: Es erinnerte ihn an einen Kanal in Paris. – Getty

Es war ein Unglückstag, an dem der Belgier Georges Simenon im Jahr 1903 in Lüttich geboren wurde. Davon war zumindest seine Mutter überzeugt: Kurzerhand änderte sie den Geburtstag des Sohns vom 13. (einem Freitag) auf den 12. Februar ... Ob das nun nötig war oder nicht, dieser Mann wurde jedenfalls einer der populärsten und zugleich meistgerühmten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. 1930 erfand er, bereits halber Pariser, seinen gemütlichen Kommissar Maigret. Ein Kleinbürger „von plebejischer Statur“, aber mit feinen Händen, ein schlecht bezahlter Beamter im dicken, schwarzen Mantel, der mit einer herrlich kochenden Elsässerin verheiratet ist. Wenn Maigret nicht in seinem Pariser Stammlokal, der Brasserie Dauphine, mit Essen und Trinken sein Denken ankurbelt, lässt er sich von dort Bier und Sandwiches bringen, für sich und seine Verdächtigen. Sensibel ist er und voll von Kindheitserinnerungen. Nie lässt er sich aus der Ruhe bringen, ruhig und träge ist er, aber unbeirrbar. Mehr als der Logik folgt Maigret seinem Instinkt und seiner Menschenkenntnis, mit Empathie für die Täter. Und so sehr ist er mit Paris verbunden, dass man ganz vergessen kann, dass sein Schöpfer Belgier war.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2018)

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