Ein Roadtrip zu sich selbst

In „Willkommen in Lake Success“ unternimmt Gary Shteyngart eine Reise durch die USA. Ein Finanz-Hai taucht in neue Welten ein – und ins Trump-Amerika.

Gary Shteyngart: „Willkommen in Lake Success“
Gary Shteyngart: „Willkommen in Lake Success“
Gary Shteyngart: „Willkommen in Lake Success“ – (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen

Der Greyhound-Bus als uramerikanischer Mythos, als Symbol der letzten Hoffnung und des Neuanfangs: Genau an dieser längst überholten Metapher knüpft Gary Shteyngarts Roman „Willkommen in Lake Success“ an. Seinem Protagonisten Barry Cohen, einem millionenschweren Hedgefonds-Manager, wächst das Familienleben mit der ambitionierten jungen Frau und dem autistischen Sohn über den Kopf. Er nimmt Reißaus von der Achterbahnfahrt der Finanzwelt, auch aus Angst, dass das FBI seinen Börsenschwindel auffliegen lässt, und begibt sich auf einen klassischen Roadtrip durch Amerika – von der Ost- zur Westküste.

Barry schmeißt seine Kreditkarten und sein Handy weg, es bleibt ihm nur eine wertvolle Uhrensammlung. So taucht er ein in ein Land fernab des Luxusghettos in Manhattan, das er so nicht kennt: Trump-County, wie sich später herausstellen wird. Er sucht seine Beinahe-Schwiegereltern in Virginia auf, seinen Schützling in Atlanta und schließlich sein College-Sweetheart, inzwischen Professorin im texanischen El Paso – getrieben vom Glauben an ein neues, besseres, ehrlicheres Leben.

Der Humorist Shteyngart rührt eine Auf- und Aussteigerstory samt Midlife-Crisis zum Roman über das Trump-Amerika zusammen – mit mal erhellenden, mal klischeehaften, meist kurzweiligen Einsichten über Wall Street, die Faibles der Finanzmanager, das Schriftsteller-Dasein und indische Familienbande. Ein bunter und praller Bogen.

Gary Shteyngart: „Willkommen in Lake Success“, übersetzt von Ingo Herzke, Pinguin Verlag, 427 Seiten, 24,70 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2019)

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