Der "Frauenkrimi" ist tot

Es lebe der Krimi der Autorinnen und Protagonistinnen. Ein kurzer Blick darauf, was sich in den vergangenen zehn Jahren im Krimi-Genre verändert hat.

Sara Gran: "Dope"
Sara Gran: "Dope"
Sara Gran: "Dope" – (c) Droemer

Die wohltuendste Erkenntnis gleich vorweg: Der "Frauenkrimi" kann literarisch zu Grabe getragen werden, das überflüssige Label hat ausgedient. Ob Sara Grans unkonventionelle Claire DeWitt, ganz unbescheiden die beste Detektivin der Welt, oder Simone Buchholz' wilde und eigenwillige Staatsanwältin Chastity Riley: Die Zeit schrullig-braver Ermittlerinnen ist vorbei. Heute sind sie Polizistinnen wie Monika Geiers alleinerziehende Kriminalkommissarin Bettina Boll oder über Leichen gehende Drogendealerinnen wie in "Lola" von Melissa Scrivner Love oder "River of Violence" von Tess Sharpe.

Was den Tatort betrifft, kann man Nordirland als das neue Skandinavien bezeichnen. Adrian McKintys Serie um den katholischen Polizisten Sean Duffy im protestantischen Belfast der turbulenten 1980er-Jahre ist wohl die herausragendste Krimireihe des vergangenen Jahrzehnts. Aber auch Spannungsliteratur aus Asien ist zuletzt in den Fokus gerückt. An Hideo Yokoyamas grandiosem, 750-Seiten starken unaufgeregten Porträt des modernen Japan, "64", führt kein Weg vorbei.

Auch wenn 2013 der Amerikaner Elmore Leonard ("Jackie Brown") gestorben ist, für viele "der beste Krimiautor aller Zeiten", braucht Fans des Genres nicht angst und bange zu werden. Leonards Landsleute Don Winslow, James Lee Burke und James Sallis garantieren ebenso zuverlässig Qualität wie die Französin Fred Vargas, der Norweger Jo Nesbø und der Deutsche Friedrich Ani - um nur einige zu nennen. Crime never dies.


Sara Gran: "Dope", üb. v. Eva Bonne, Droemer, 256 S., € 13,40

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