Helen Simpson: Mutterfreud, Mutterleid

Helen Simpson schreibt über überforderte Mütter, abwesende Väter und sich entfremdende Paare. Gnadenlos. Und gnadenlos komisch.

Helen Simpson Mutterfreud Mutterleid
Helen Simpson Mutterfreud Mutterleid
(c) Kein und Aber Verlag

„Ich kenne keine Familie, die keine Probleme hat. Das ist ihr Sinn und Zweck!“ Lois' Satz, den sie bei einer Karaffe Rotwein in Gegenwart ihrer zusehends betrunkener werdenden Freundin Holly ausspricht, könnte das Motto der Erzählungen in Helen Simpsons schmalem Band „Gleich, Schätzchen“ bilden.

Es ist die Familie, und vor allem die Rolle der Frauen als Mütter, Ehegattinnen und Meist-nicht-mehr-Karrierefrauen, die die britische Autorin (sie war Redakteurin bei der „Vogue“ und hat – man glaubt es kaum – selbst zwei Kinder) als durchgängiges Thema gewählt hat.

Was passiert mit dem Leben von Frauen, wenn sie Mütter werden? Diese Frage stellt sich Simpson, und die Antwort fällt literarisch eloquent, unterhaltsam und dennoch wenig schmeichelhaft aus. Da sind etwa „zwei zermürbte Frauen“, Sally und Frances, die sich in einem Café zu unterhalten versuchen. Der Versuch scheitert glorios. Denn das „springlebendige Kind“ der einen weiß das zu verhindern. Da sind Janine und ihr Ehemann Christopher, die – als Paar sprachlos geworden – beim Ausgehen mit Geschäftskunden angeregtes Geplauder vortäuschen. Oder aber Dorries und Max mit ihren drei Kindern beim Strandurlaub, der permanent zu eskalieren droht. Simpsons Erzählkosmos ist bevölkert von Kindermädchen und im Stau steckenden Moms, es regiert die Schlaflosigkeit, und selbst die Gartenpartys der Jungfamilien taugen nicht zur Entspannung. Klingt bekannt? Willkommen in der Familie! som

Helen Simpson: „Gleich, Schätzchen“, 240 Seiten, Kein & Aber, 20,50 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2010)

Kommentar zu Artikel:

Helen Simpson: Mutterfreud, Mutterleid

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen