Menschen, ein Verbrauchsgut wie Socken: Wie Graphic Novels den Krieg erklären

In einer Welt, in der es wieder chic zu sein scheint, das Trennende vor das Gemeinsame zu stellen: Was bedeutet Krieg? Graphic Novels geben Auskunft.

„Wenn ich Geschichten über den Krieg erzähle, packt mich eine unsagbare Wut.“ Shigeru Mizukis „Auf in den Heldentod!“.
„Wenn ich Geschichten über den Krieg erzähle, packt mich eine unsagbare Wut.“ Shigeru Mizukis „Auf in den Heldentod!“.
„Wenn ich Geschichten über den Krieg erzähle, packt mich eine unsagbare Wut.“ Shigeru Mizukis „Auf in den Heldentod!“. – (c) Reprodukt Verlag)

Der Krieg sei eben „der Vater aller Dinge“, hört man martialische Gemüter gern sagen. Und gerade jene, die diesen Satz des Heraklit besonders inbrünstig im Munde führen, verbinden sonst mit Heraklit mutmaßlich bestenfalls ein Produkt der Baustoffindustrie. Gleichviel, was immer jener Philosoph des fünften vorchristlichen Jahrhunderts mit seinen im allgemeinen Sprachgebrauch zum simplen Sager verknappten Gedanken tatsächlich gemeint haben mag: Uns, die wir ein ganzes 20. Jahrhundert lang nur allzu ausführlich erfahren durften, wessen Vater der Krieg vor allem ist, der Vater von x-millionenfachem Tod, von Verderben, Elend, Armut, Niedertracht, uns sollte insbesondere interessieren, wessen Kind denn dieser Vater sei – wollen wir nicht abermals ein Balg wie jenes mit und in uns wachsen lassen, auf dass es uns dereinst zerstört, verschlingt, vernichtet, wie es unseren eigenen Ahnen widerfuhr.

Ist es die Hybris, die Krieg gebiert, nationale Selbstüberhebung, Weltherrschaftswahn? Ist es die atavistische Idee, Konflikte, Probleme ließen sich als Einzelkämpfer besser lösen als mit den je anderen gemeinsam? Manchen mag dieser Tage dazu Donald Trumps America-first-Rhetorik einfallen. Oder das „Kriegskabinett“, das Boris Johnson gerade gegen die EU „in Stellung“ gebracht hat. Oder das nationalistische Drohgefuchtel europäischer Rechts-außen-Provokateure, teils auf dem Sprung zur Macht, teils längst dort angekommen. Von der Wiederkehr des nur allzu gut geläufigen Gegeneinanders ist neuerdings viel die Rede in einer Welt, die sich noch vor Kurzem so viel auf ihr Miteinander zugutehielt.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen