Twitter-Trend #dichterdran: Frauen persiflieren sexistische Literaturkritiken

Aussehen, Ehemänner, Kochrezepte: Über Autorinnen wird oft anders berichtet als über Autoren. Twitter-Userinnen persiflieren nun solche Kritiken. Das liest sich ausgesprochen witzig.

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Ein Text über Sally Rooney regte den Twitter-Trend an – (c) REUTERS (Henry Nicholls)

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist diese Woche ein Trend entstanden, der sich ironisch mit sexistischer Literaturkritik auseinandersetzt: Unter dem Hashtag #dichterdran persiflieren (vor allem) Frauen sexistische Texte über Schriftstellerinnen. Sie drehen den Spieß um und kommentieren das Aussehen oder die Beziehungen von männlichen Autoren – wie es in Literaturkritiken oft bei Frauen gemacht wird.

Anlassfall war eine Kritik in der Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“ über die Autorin Sally Rooney: Sie sehe aus „wie ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen“, schrieb der Buchkritiker darin. Die Schweizerin Nadia Brügger, Doktorandin der Literaturwissenschaft, prangerte diesen Sexismus am vergangenen Freitag auf Twitter an.

„Der Sexismus im Literaturbetrieb ist alltäglich, er gehört zur Berichterstattung“, sagt Brügger gegenüber Jetzt.de, dem Onlinemagazin der „Süddeutschen Zeitung". Die Empörung darüber sei schon lange da, aber das Schreiben und Wirken von Frauen werde immer noch nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit gesehen wie das männlicher Kollegen.

Nun sind die Dichter dran

Die Journalistin Simone Meier stimmte Brüggers Tweet zu und fragte sich, wie es klingen würde, wenn man Gleiches über männliche Autoren oder „Männerliteratur“ schreiben würde. Nach dem Motto: Nun sind die Dichter dran.

Das spornte Twitter-Userinnen zu Persiflagen an, die sich herrlich komisch lesen: „Kein Wunder, dass die brillante Ingeborg Bachmann den weinerlichen Max Frisch auf Dauer nicht ertrug“, lautet etwa ein Tweet. Oder: „Wenn man kritisiert, dass es so wenige männliche Autoren in den Weltliteratur-Kanon geschafft haben, muss man auch bedenken, dass sich diese Literatur oft auf Männerthemen konzentriert und ihr der universelle Anspruch fehlt, der wahrhaft großartige Werke ausmacht.“

Hier noch ein paar Beispiele:

(Red.)

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