Reise in den Dschungel

In seinem Debütroman, „Dschungel“, begibt sich Friedemann Karig auf die Suche nach Freiheit. Sie führt nach Kambodscha – und in die Vergangenheit.

Friedemann Karig: „Dschungel“
Friedemann Karig: „Dschungel“
Friedemann Karig: „Dschungel“ – Ullstein

Muss man um die Welt reisen, ferne Länder entdecken, um sich selbst zu finden? Oder braucht es eine Reise in die Vergangenheit, ins eigene Innere, um sich von Zwängen zu lösen und endlich frei zu sein? Friedemann Karigs Debütroman, „Dschungel“, ist eine Reise in zweierlei Hinsicht: im Innen wie im Außen. Es ist eine Suche nach etwas, was eine der beiden Hauptfiguren des Romans, Felix, im ersten Kapitel so beschreibt, als er mit dem Ich-Erzähler an einer Klippe steht, nur einen Schritt vom Tod entfernt: „Das muss man doch einmal erlebt haben. Den freien Fall! Die ultimative Freiheit!“

Dieser Felix verschwindet Jahre später in Kambodscha. Sein bester Freund, der namenlos bleibende Ich-Erzähler wird von Felix' Mutter auf die Suche geschickt. Sie führt ihn in Backpacker-Hostels, in das Chaos kambodschanischer Großstädte und buchstäblich in den Dschungel. Und je länger er sucht, desto tiefer begibt er sich in die gemeinsame Geschichte. Als Leser fragt man sich zunehmend, ob das überhaupt eine Freundschaft ist. Felix ist der Extrovertierte, Mutige, der stets nach Extremen lechzt und die Richtung vorgibt. Der schwach erscheinende Ich-Erzähler wird, wie es Karig in einem Interview ausdrückt, „immer so ein bisschen wie ein Hündchen an der Leine hinterhergeschleift“. Bis nach Kambodscha.

Es ist die Reise auf zwei Ebenen gleichzeitig, die den Reiz des Romans ausmacht. Ein mitreißendes Buch, das in vielerlei Hinsicht an die Grenzen geht. RAA

Friedemann Karig: „Dschungel“, Ullstein, 384 Seiten, 22,70 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2019)

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