Männer, Frauen, Krisen

Der britische Autor und Literaturkritiker Chris Power beschreibt in seinem Debüt-Erzählband „Mothers“ Paare in Momenten der Entzweiung.

Chris Power: „Mothers“
Chris Power: „Mothers“
Chris Power: „Mothers“ – llstein Verlag

Ann und Jim haben einander vor ein paar Wochen kennengelernt. Nun wandern sie mehrere Tage lang durch die menschenleere englische Provinz: Grüne Wiesen, sprudelnde Flüsse, frische Herbstluft – und das junge Paar. In der pittoresken Landschaft, in der die beiden aufeinander zurückgeworfen sind, werden sie sich fremd, bevor sie miteinander vertraut sein können. Eine von Jim vorgeschlagene, nicht ungefährliche Flussüberquerung ist zunächst nur ein Abschneider. Sie wird in Folge von einer Mutprobe zur Machtprobe, die für einen von beiden tragisch endet.

Es sind Figuren wie diese beiden, die im Mittelpunkt der Erzählungen von Chris Power stehen, Literaturkritiker der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Menschen, deren Verbindung zueinander nicht klappen will; Beziehungen, die ohne Trommelwirbel tragisch enden; Protagonisten, die mit sich und ihrer Umwelt einiges zu klären haben. Auch die titelgebenden „Mothers“ tauchen mehrmals thematisch in der Erzählsammlung auf – als schemenhafte Mütter, die nur noch in der Erinnerung ihrer Nachkommen existieren und dergestalt umso bedeutungsvoller werden.

In seinem Debüt versteht es Power, sich bei der Komposition seiner Geschichten auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Handlung mit Dialogen und Zeitsprüngen voranzutreiben. Klassische gehobene Unterhaltungsliteratur mit einem feinen Gespür für die menschlichen Schwächen. SOM

Chris Power: „Mothers“, übersetzt von Bernhard Robben, Ullstein Verlag, 287 Seiten, 22,70 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2019)

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