ISBN-Klau: Der „gefälschte“ Glavinic

Ein Gratisexemplar von Franz Kafkas Buch „Das Schloss“ mit Rechtschreibfehlern wird an Schulen in Österreich und Deutschland versandt. Nun stellt sich heraus, die ISBN ist von Thomas Glavinics Buch „Lisa“.

Symbolbild
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(c) FABRY Clemens

Es ist eine Geschichte wie in einem schlechten Roman, der sich ausgerechnet an Kafka anhängt: Seit Ende Oktober werden an Schulen in Österreich und Deutschland Kartons mit einer Neuauflage von Franz Kafkas Buch „Das Schloss“ geschickt. „Dieses Buch ist Teil eines EU-weiten Projekts zur Förderung der Lust am Lesen“, heißt es im Begleitschreiben, das von Adrian Schulz, Herausgeber des Verlags Gehlen & Schulz beigelegt wurde. Zwei Millionen sollen davon in Österreich, Deutschland und der Schweiz verteilt worden sein. Und: Das Projekt wird angeblich mit 345.000 Euro von der EU gefördert.
Das Problem an der Sache: Das Buch strotzt nur so von Rechtschreibfehlern: Da wird der „Schnee“ zum „Schne“, „niemand“ zu „niemant“ und das Wort „vermieten“ zu „vermiten“ – alles Fehler allein auf der ersten Seite. Auf Unkenrufe aus der Medienbranche reagierte Herausgeber Adrian Schulz per E-Mail empört: „Wissen sie eigentlich, dass 20 % der Bewerber für pädagogische Berufe nicht richtig schreiben können “ (sic!).

Buchnummer abgekupfert

Nun dürfte es neuen Ärger geben Und zwar rechtlichen: Die ISBN, die im Buch angegeben wird, ist vom österreichischen Autor Thomas Glavinic abgeschrieben, dessen Roman „Lisa“ unter der Nummer läuft. Nur die Prüfziffer am Ende der Nummer ist mit „0“ anders als die von Glavinic mit „3“.
„Dabei handelt es sich um einen echten Betrüger. Die Nummer gehört dem Hanser Verlag“, sagt Mirjam Glaser von der deutschen ISBN-Stelle. Der Hanser Verlag selbst möchte nun die Adresse von „Gehlen &  Schulz“ ausfindig machen und auffordern, die Verwendung der Nummer zu unterlassen. Auch rechtliche Schritte hält der Verlag für nicht ausgeschlossen. Und auch der Fachverband für Buch- und Medienwirtschaft in der Wirtschaftskammer wird dem Fall rechtlich nachgehen. „Das ist ein Imageschaden für die ganze Branche“, empört sich Geschäftsführer Karl Herzberger.

Keine EU-Förderung

Ob das so einfach wird, ist fraglich. Denn der Verlag scheint reichlich dubios: In Österreich scheint er nirgends aufzuscheinen, und auch dem Unterrichtsministerium oder der EU scheint das Leseprojekt nicht bekannt zu sein. „Dieses Buch wird in keiner Weise von uns oder einer Stelle in der EU, mit der wir zusammenarbeiten, gefördert“, heißt es aus dem Unterrichtsministerium. Die Homepage von Gehlen & Schulz beinhaltet übrigens kein Impressum, was nach „Paragraf 5 des österreichischen Electronic-Commerce-Gesetz in diesem Fall verboten ist“, bestätigte Rechtsanwalt Thomas Höhne. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Verlag war für keine Stellungnahme zu erreichen.

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