Bachmann-Preis: P.E.N. wirft ORF Volksverdummung vor

Der ORF-Generaldirektor hat sich zu Wort gemeldet: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen." Er macht weiter Werbung für die Refundierung.

Letztes Wort BachmannPreis nicht
Letztes Wort BachmannPreis nicht
A. Wrabetz auf einem Archivfoto – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat sich in der Debatte um den Rückzug des ORF von den Tagen der deutschsprachigen Literatur, kurz Bachmann-Preis, und der damit drohenden Einstellung zu Wort gemeldet - und eine Einladung der Bachmann-Preis-Jury erhalten. "Es ist schon bemerkenswert, wie viel Aufmerksamkeit die Nachricht zum Bachmann-Preis bekommen hat", sagte Wrabetz am Dienstag am Rande des Pressegesprächs zum Kultursommer im ORF in Wien. "Und natürlich wissen wir, dass das ein wichtiges Anliegen ist. Aber das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen."

Wrabetz baut weiter auf einen Sinneswandel der Politik und eine Weiterführung der Gebührenregelung. Mit den Geldern der Gebührenrefundierung "wird es leichter, das zu erhalten", sagte er. Diese brachte dem ORF in den vergangenen vier Jahren 160 Millionen Euro ein.

Auf jeden Fall werde man versuchen, mit dem Land Kärnten, mit Sponsoren und der Unterstützung von 3sat den Bachmann-Preis zu erhalten. Der ORF habe den Literaturwettbewerb immerhin mitgegründet, stimmte Kulturchef Martin Traxl zu und verblieb optimistisch: "Da wird es sicher noch positive Gespräche geben."

"Volksverdummung steht Tür und Tor offen"

Der österreichische P.E.N-Club findet scharfe Worte für den ORF. Dem öffentlich-rechtlichen Sender wird dem ORF "Sparpolitik, die nur auf Billigstquoten" schaue vor, so Generalsekretärin Susanne Dobesch-Giese in einer Aussendung. Österreich werde "ein Land des Musikantenstadels".

"Warum der ORF als öffentlich rechtlicher Sender den Bildungsauftrag just beim Sport wahrnehmen will und nicht bei der Literatur, zeigt, mit welchem Zynismus in Österreich mit Kultur umgegangen wird", meint die P.E.N.-Generalsekretärin.

Dem Sender seien die eigene Verwaltung, Gehälter und Pensionen wichtiger als der Kulturauftrag. "Heutzutage steht der ORF in Konkurrenz zu privaten Anbietern und meint diese in Blödheiten überbieten zu müssen", so Dobesch-Giese. "Der Volksverdummung steht Tür und Tor offen." Gerade für Kärnten, einem "Abwanderungsland bedeutender Talente" sei der Preis wichtig.

Jury: "Lassen Sei uns offen reden"

Die siebenköpfige Jury des diesjährigen Wettlesens hat  Wrabetz zum Gespräch geladen. "Kommen Sie doch bitte nächste Woche nach Klagenfurt", schrieb Jury-Sprecher Burkhard Spinnen gut eine Woche vor dem diesjährigen Auftakt stellvertretend für die Jury in einem Offenen Brief: "Lassen Sie uns offen miteinander reden."

Ökonomische Kalküle hätten zweifelsohne ihre Berechtigung, heißt es in dem Brief, sie dürften aber nicht allen Lebensbereichen die Oberhand gewinnen. "Wir verstehen nicht, dass eine so traditionsreiche Veranstaltung, die dem öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF ideal entspricht (...) und seit Jahrzehnten sein Renommee als Kultursender wesentlich ausmacht, von der Geschäftsführung in Frage gestellt wird." Daher mache sich die Jury für den Erhalt der Veranstaltung stark.

Arno Geiger: "Bierschwefel-Verzapfen unverzichtbar"

Einige österreichische Literaten haben Stellung zur laufenden Diskussion genommen. "Was mich am meisten empört, ist, dass am Ende alles so bleibt, wie es ist",  schrieb der Vorarlberger Schriftsteller Arno Geiger in der Tageszeitung "Kurier". "Wenn der Bachmannpreis wenigstens tatsächlich abgeschafft würde, dann hätte man immerhin den ERSICHTLICHEN Schaden. Aber so wurde nur wieder unterschwellig suggeriert, dass Literatur etwas Verzichtbares ist. Hingegen das Tanzen und Wandern und Bierschwefel-Verzapfen im Hauptabendprogramm ist unverzichtbar. Und die Musi spielt dazu.".

Josef Winkler meint: "Wenn man in einem Jahr nur auf einen einzigen 'Musikantenstadl' verzichtet, erspart man sich eine Million Euro ... Und ich finde auch, dass Übertragungen der Formel 1 in einem staatlichen Fernsehen nichts verloren haben."

Bachmannpreisträger Franzobel legte via Facebook der satirisch noch eins drauflegt: "Was wir brauchen, sind Übertragungen von Reifentests der Formel 1, Berichte von Fußballtrainings, Liveschaltungen zum Skiwachseln. Aber doch sicher keinen Literaturlesewettbewerb, kein Juroren-beim-Denken-Zusehen. Poesie? Fad! Das ist doch nicht mehr zeitgemäß. Darum ja, schafft den Bachmannpreis ab, verbrennt alle Bücher, sprengt Bibliotheken, streicht den Deutschunterricht. Bravo. Und die letzten unbeugsamen Leser sperrt ins Getto."

Bachmann-Preis

Der Bachmann-Preis (Tage der deutschsprachigen Literatur) wird seit seiner Gründung im Jahr 1977 finanziell hauptsächlich vom ORF-Landesstudio Kärnten getragen. Mit rund 350.000 Euro wurden die Kosten für den ORF zuletzt beziffert. Eine Summe, die das Kärntner Landesstudio bei einem vorgegebenen Sparziel von rund einer Million Euro für das Jahr 2014 nicht mehr stemmen kann.

Der Bachmann-Preis fand zwar immer wieder Unterstützer, groß Einsteigen wollte aber in den vergangenen Jahren niemand. Die Landeshauptstadt Klagenfurt richtet etwa alljährlich den traditionellen Bürgermeisterempfang für die Teilnehmer aus und sorgt auch für deren Verpflegung.

Das Land Kärnten zog sich vor mehr als zehn Jahren in der Ära des freiheitlichen Landeshauptmanns Jörg Haider völlig vom Wettlesen zurück. Nach der Abwahl der FPK beteiligte sich Kärnten für das Jahr 2013 wieder mit 10.000 Euro am Wettbewerb. Der neue Kulturlandesrat Wolfgang Waldner (ÖVP) kann sich zukünftig auch noch mehr Unterstützung für die Literatur vorstellen.

Der Wettbewerb

Beim Wettbewerb gibt es für die Teilnehmer mehrere Preise zu gewinnen. Der eigentliche "Ingeborg-Bachmann-Preis" ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Landeshauptstadt Klagenfurt gestiftet.

Zudem kommt noch der Preis des Kärntner Energieversorgers Kelag mit 10.000 Euro. Der "3sat-Preis" ist mit 7500 Euro dotiert. Der "Ernst-Willner-Preis" in der Höhe von 5000 Euro ist von insgesamt 20 Verlagen gestiftet.

Zudem kommt noch der Publikumspreis der BKS Bank in der Höhe von 7000 Euro. Seit 2009 vergibt Klagenfurt noch ein Stadtschreiber-Stipendium in der Höhe von 5000 Euro, das dem Gewinner des Publikumspreises zusteht.

(APA)

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