"Journalisten des Jahres": Preise und Protest

Karim El-Gawhary wurde zum "Journalisten des Jahres" gekürt, "Die Presse" ist ex aequo mit dem ORF "Redaktion des Jahres". "Presse"-Chefredakteur Nowak warb für subtilen Aktionismus.

Journalisten des Jahres
Journalisten des Jahres
Journalist des Jahres: Karim El-Gawhary – (c) Der Österreichische Journalist (Ludwig Schedl)

Bereits zum zehnten Mal verlieh am Mittwochabend in Wien das Fachmagazin "Der Österreichische Journalist" die Besten der Branche: Karim El-Gawhary, Kairo-Korrespondent des ORF und der "Presse", nahm die Auszeichnung für den "Journalisten des Jahres" und  außerdem für den besten Außenpolitikjournalisten entgegen. "Die Presse" wurde - ex aequo mit dem ORF - zur "Redaktion des Jahres" gekürt. Außerdem wurde Rainer Nowak zum besten Chefredakteur gewählt, Josef Urschitz bekam die Auszeichnnung im Ressort Wirtschaft, Norbert Mayer in der Kultur und Anneliese Rohrer wurde Kolumnistin des Jahres.

Barbara Frischmuth hielt die Laudatio auf El-Gawhary. Er vermittle nicht nur Nachrichten, "sondern auch Kenntnisse" und zeichne sich vor allem durch sein "glaubwürdiges Engagement" aus, "was sich einer merkbaren Empathie verdankt", so Frischmuth.

El-Gawhary selbst wies in seiner Dankesrede besonders auf die Situation der Journalisten in Ägypten und anderen Krisenregionen hin. "Sicher hab ich manchmal Angst", gab der Korrespondent zu. "Aber ich habe den krisensichersten Job des ORF. Die nächste Krise kommt bestimmt."

"Für mich persönlich ist diese Auszeichnung vielleicht auch ein Schutz", so Gawhary. "Denn die Arbeitsbedingungen in Ägypten haben sich sehr, sehr verschärft." Er bezog sich auch auf die Zahl festgenommener Kollegen, die in den vergangenen beiden Jahren in die Höhe geschnellt sei: "Wenn Journalisten selbst zur Story werden, ist mit einem Land grundsätzlich etwas nicht in Ordnung", sagte er. "Kein Land kann frei sein, wenn Journalisten nicht frei sind."

"Presse"-Chefredakteur für "Protest-Pressefoyer"

Nowak und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gaben sich wechselseitig die Laudatoren. Diesen Anlass nutzte Nowak für einen politischen Appell, sei er doch "für Aktionismus in subtiler Variante". So könnten die Innenpolitikjournalisten am kommenden Dienstag im Anschluss an den Ministerrat "ein kleines, alternatives Protest-Pressefoyer" veranstalten. Für seinen Vorschlag, mit dem er auf den jüngsten Auftritt der "Spiegelminister" und ausgebliebene Antworten auf die Causa Hypo anspielte, gab es lautstarken Applaus.

ORF-TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher unterstützte die Idee. "In Zeiten, in denen Freundlichkeit von der Politik mit Exklusivität belohnt wird und kritisches Nachfragen Absenz erntet, sollten wir schon etwas tun."

AUSZEICHNUNG ´JOURNALISTEN DES JAHRES 2013´: WRABETZ / NOWAK
AUSZEICHNUNG ´JOURNALISTEN DES JAHRES 2013´: WRABETZ / NOWAK
Die Preisträger in der Kategorie 'Redaktion des Jahres' Alexander Wrabetz (l./ORF), Rainer Nowak (2.v.l./Die Presse) – (c) APA (HERBERT NEUBAUER)

"Es gibt viel zu wenig Theater"

"Ich sage meinen Chefs ständig, es gibt viel zu wenig Theater", sagte "Presse"-Kulturredakteur Mayer  augenzwinkernd. Bei Rohrer, geehrt als Beste Kolumnisten, erinnerte sich APA-Chefredakteur Michael Lang, der auch durch den Abend führte, an sein "Presse"-Praktikum zurück. Rohrer habe ihn damals bestimmt darauf aufmerksam gemacht, dass er beim Recherchieren am Telefon viel zu höflich sei. Rohrer wollte diese Anekdote nicht glauben. Lang darauf: "Sagen wir, wir haben uns gegenseitig verwechselt". Rohrer freute sich in diesem Jahr besonders über den Preis, weil sie vor exakt 40 Jahren bei der "Presse" begonnen hat und noch immer der Meinung ist, "der Journalismus ist der spannendste Beruf".

"So etwas ist mir in meiner 30-jährigen Laufbahn noch nicht untergekommen", sagte "Presse"-Wirtschaftsjournalist Urschitz. "Aber es ist für uns Journalisten etwas sehr schönes, also ich wünsche mir, dass es noch möglichst lange dauert."

Coudenhove-Kalergi für Lebenswerk geehrt

Für das Lebenswerk wurde die langjährige ORF-Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi geehrt. "Im Gegensatz zu allen Anwesenden hat sie erfahren was es heißt, Geschichte zu erleben", betonte Peter Huemer in seiner Laudatio, in der auch ihr soziales Engagement sowie ihre "Distanz, Gelassenheit und abgeklärte Intelligenz" hervorhob.

Weitere Sonderpreise gingen posthum an "Krone"-Kolumnistin Marga Swoboda für "Sprache" sowie an den langjährigen "Kleine Zeitung"-Art Director Gerhard Treffkorn für "Design"-Leistungen.

Puls4-Chef Breitenecker ist "Medienmanager des Jahres"

Ebenfalls seine Trophäe entgegennehmen durfte der "Medienmanager des Jahres 2013", Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, den Horst Pirker in einer "kurzen Skizze" als "Revolutionär und Gründer" sowie "Kämpfer gegen das System" beschrieb. Breitenecker lege sich die Latte im Privatfernsehen "ohne Trash" selbst höher, indem er nicht zuletzt auf Public Value setze. "Du hast verstanden, dass sich Anspruch und Geld nicht feindselig gegenüber stehen."

Innenpolitikjournalist des Jahres wurde einmal mehr Andreas Koller von den "Salzburger Nachrichten". Die Kategorie Investigation ging an Renate Graber vom "Standard" und der Sport an "Standard"-Redakteur Christian Hackl. In der Kategorie Foto landete "Standard"-Fotograf Matthias Cremer auf dem ersten Platz, dahinter folgten Robert Jäger und Barbara Gindl von der APA - Austria Presse Agentur.

Bundesländer: Zwei Preise für "Kleine Zeitung"

Ebenfalls geehrt wurden die besten Lokaljournalisten aus den Bundesländern: Für Vorarlberg ist das Andreas Scalet ("Vorarlberger Nachrichten"), in Tirol Manfred Mitterwachauer ("Tiroler Tageszeitung"), in Salzburg Christian Resch ("Salzburger Nachrichten"), in Oberösterreich Roman Kloibhofer ("Oberösterreichische Nachrichten"), in der Steiermark Thomas Rossacher ("Kleine Zeitung"), in Kärnten Tanja Haser ("Kleine Zeitung"), in Niederösterreich Oswald Hicker ("Bezirksblätter"), im Burgenland Karl Grammer ("Kronen Zeitung") und in Wien Bernd Vasari ("Wiener Zeitung").

(APA/Red.)

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