Der Küniglberg: Von der Kapelle zum ORF-Zentrum

Neugotische Kapelle, Flak-Kaserne, Rundfunk-Hauptsitz: Die Geschichte des Ortes, an dem der ORF zusammengeführt wird.

Nach Jahren der Diskussionen werden die Wiener Standorte des ORF auf dem Küniglberg zusammengeführt. Bis voraussichtlich 2023 (geplant war ursprünglich 2021) übersiedeln die Redaktionen der ORF-Radios, das Landesstudio Wien sowie die Mitarbeiter von Online und Teletext in den Gebäudekomplex in Wien-Hietzing.

Dort, wo das ORF-Zentrum heute steht, stand früher ...

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

... eine Kapelle. 1883 wurde auf dem höchsten Punkt des Küniglbergs eine neugotische Kapelle errichtet. Zwar wird diese oft Malfattikapelle genannt, richtig heißt sie aber Hummelkapelle. Erbaut wurde sie zur Erinnerung an J. Hummel, den Gründer der Tageszeitung "Neuigkeiten Weltblatt", die von 1874 bis 1943 erschien.

(c) Archiv 1133.at

Malfattikapelle wurde sie deshalb genannt, weil sie unweit des einst größten Privatbesitzes Hietzings, dem Malfattipark mit dem Malfattischlössl in seiner Mitte stand. Johann Paptist Malfatti (1775 bis 1859) war ein berühmter und wohlhabender Arzt. 1938 musste die Kapelle weichen und wurde zum Fritz-Moravec-Steig an der Ecke zur Fasangartenstraße verlegt.

(c) Bezirksmuseum Hietzing

1938 ließ die deutsche Wehrmacht am Küniglberg eine Flakkaserne errichten. Zum Spatenstich am 14. Mai rückte Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hermann Göring höchstpersönlich an. Die topografische Lage war für militärische Zwecke ideal. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm das britische Militär die Kaserne.

Im Bild: Bauarbeiten zum ORF-Zentrum und Teile der NS-Kaserne, 1970

(c) ORF

1955 wurde das Areal der Stadt Wien übergeben, ab1959 gab es Überlegungen, den Küniglberg für den ORF nutzbar zu machen. Sechs Jahre später bezog der ORF leer stehende Räume der Kaserne.

1969 musste die Flak-Kaserne ihrerseits dem heutigen ORF-Zentrum weichen.

Im Bild: Teile der Kaserne auf einer Aufnahme von 1975

(c) ORF

Das Grundstück wurde dem ORF 1967 um 225.000 Schilling verkauft, der Auftrag zur architektonischen Planung wurde freihändig an Roland Rainer vergeben. 1969 wurde das Konzept von der ORF-Geschäftsführung genehmigt, das Bauvorhaben startete.

Im Bild: Eine Aufnahme von 1972

(c) ORF

Während der Bauarbeiten kam es 1973 zu einem Unfall: Ein Bauelement durchschlug drei Decken und fünf Arbeiter wurden verschüttet. Zwei Tote und drei Schwerverletzte waren die Folge. Danach wurden die Arbeiten vorübergehend eingestellt, da laut Baubehörde "Baumängel an den Fertigteilen vermutet werden". Nach einiger Zeit wurden die Bauarbeiten wieder fortgesetzt.

Im Bild: Eine Aufnahme von 1974

(c) ORF

Reste der Falk-Kaserne sind noch erhalten - unter dem Gebäude: Ein ungenutzter Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde zugemauert und die Ausgänge verschüttet.

Mit einem "Tag der offenen Tür" wurde das ORF-Zentrum 1974 offiziell eröffnet.

Im Bild: Eine Aufnahme von 1975

(c) ORF

Inzwischen ist der Name Küniglberg ein Synonym für den ORF. Die Herkunft der Ortsbezeichnung ist übrigens nicht eindeutig geklärt. Benannt wurde der 261 Meter hohe Berg wahrscheinlich nach dem kaiserlichen Prokurator Wolfgang Künigl, der im 16. Jahrhundert die Güter der Pfarre Hütteldorf verwaltete. Erstmals erwähnt wurde der Küniglberg 1786.

Aufnahme von 1976

(c) ORF

2005 ortete ein Gutachter aufgrund von Rissbildungen und fortgeschrittener Betonkorrosion an Parapetbalken mögliche "Gefahr im Verzug". Sanierungsmaßnahmen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren wurden empfohlen. Die Diskussion um einen neuen ORF-Standort intensivierte sich in der Folge.

(c) ORF

Erst im Herbst 2012 wurde das baufällige Hauptgebäude zwecks Sanierung geräumt. Die Mitarbeiter übersiedelten in Container-Dörfer und andere Bürogebäude Wiens. Neben einer Sanierung des ORF-Zentrums und einer möglichen Zusammenführung der Wiener ORF-Standorte am Küniglberg war auch das Gelände in St. Marx immer wieder ein Thema.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

2014 fiel die Entscheidung für den Küniglberg, St. Marx war endgültig vom Tisch. Doch der Umbau macht Probleme: Der Umzug der Radioredaktionen vom Funkhaus ins ORF-Zentrum verzögert, der Neubau am Küniglberg in Hietzing wird kleiner als geplant und Anrainer machen gegen den Ausbau mobil.

Im Bild: Eine Visualisierung des ORF-Zentrums mit Zubau

(c) ORF
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Nach Jahren der Diskussionen werden die Wiener Standorte des ORF auf dem Küniglberg zusammengeführt. Bis voraussichtlich 2023 (geplant war ursprünglich 2021) übersiedeln die Redaktionen der ORF-Radios, das Landesstudio Wien sowie die Mitarbeiter von Online und Teletext in den Gebäudekomplex in Wien-Hietzing.

Dort, wo das ORF-Zentrum heute steht, stand früher ...

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

... eine Kapelle. 1883 wurde auf dem höchsten Punkt des Küniglbergs eine neugotische Kapelle errichtet. Zwar wird diese oft Malfattikapelle genannt, richtig heißt sie aber Hummelkapelle. Erbaut wurde sie zur Erinnerung an J. Hummel, den Gründer der Tageszeitung "Neuigkeiten Weltblatt", die von 1874 bis 1943 erschien.

(c) Archiv 1133.at

Malfattikapelle wurde sie deshalb genannt, weil sie unweit des einst größten Privatbesitzes Hietzings, dem Malfattipark mit dem Malfattischlössl in seiner Mitte stand. Johann Paptist Malfatti (1775 bis 1859) war ein berühmter und wohlhabender Arzt. 1938 musste die Kapelle weichen und wurde zum Fritz-Moravec-Steig an der Ecke zur Fasangartenstraße verlegt.

(c) Bezirksmuseum Hietzing

1938 ließ die deutsche Wehrmacht am Küniglberg eine Flakkaserne errichten. Zum Spatenstich am 14. Mai rückte Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hermann Göring höchstpersönlich an. Die topografische Lage war für militärische Zwecke ideal. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm das britische Militär die Kaserne.

Im Bild: Bauarbeiten zum ORF-Zentrum und Teile der NS-Kaserne, 1970

(c) ORF

1955 wurde das Areal der Stadt Wien übergeben, ab1959 gab es Überlegungen, den Küniglberg für den ORF nutzbar zu machen. Sechs Jahre später bezog der ORF leer stehende Räume der Kaserne.

1969 musste die Flak-Kaserne ihrerseits dem heutigen ORF-Zentrum weichen.

Im Bild: Teile der Kaserne auf einer Aufnahme von 1975

(c) ORF

Das Grundstück wurde dem ORF 1967 um 225.000 Schilling verkauft, der Auftrag zur architektonischen Planung wurde freihändig an Roland Rainer vergeben. 1969 wurde das Konzept von der ORF-Geschäftsführung genehmigt, das Bauvorhaben startete.

Im Bild: Eine Aufnahme von 1972

(c) ORF

Während der Bauarbeiten kam es 1973 zu einem Unfall: Ein Bauelement durchschlug drei Decken und fünf Arbeiter wurden verschüttet. Zwei Tote und drei Schwerverletzte waren die Folge. Danach wurden die Arbeiten vorübergehend eingestellt, da laut Baubehörde "Baumängel an den Fertigteilen vermutet werden". Nach einiger Zeit wurden die Bauarbeiten wieder fortgesetzt.

Im Bild: Eine Aufnahme von 1974

(c) ORF

Reste der Falk-Kaserne sind noch erhalten - unter dem Gebäude: Ein ungenutzter Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde zugemauert und die Ausgänge verschüttet.

Mit einem "Tag der offenen Tür" wurde das ORF-Zentrum 1974 offiziell eröffnet.

Im Bild: Eine Aufnahme von 1975

(c) ORF

Inzwischen ist der Name Küniglberg ein Synonym für den ORF. Die Herkunft der Ortsbezeichnung ist übrigens nicht eindeutig geklärt. Benannt wurde der 261 Meter hohe Berg wahrscheinlich nach dem kaiserlichen Prokurator Wolfgang Künigl, der im 16. Jahrhundert die Güter der Pfarre Hütteldorf verwaltete. Erstmals erwähnt wurde der Küniglberg 1786.

Aufnahme von 1976

(c) ORF

2005 ortete ein Gutachter aufgrund von Rissbildungen und fortgeschrittener Betonkorrosion an Parapetbalken mögliche "Gefahr im Verzug". Sanierungsmaßnahmen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren wurden empfohlen. Die Diskussion um einen neuen ORF-Standort intensivierte sich in der Folge.

(c) ORF

Erst im Herbst 2012 wurde das baufällige Hauptgebäude zwecks Sanierung geräumt. Die Mitarbeiter übersiedelten in Container-Dörfer und andere Bürogebäude Wiens. Neben einer Sanierung des ORF-Zentrums und einer möglichen Zusammenführung der Wiener ORF-Standorte am Küniglberg war auch das Gelände in St. Marx immer wieder ein Thema.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

2014 fiel die Entscheidung für den Küniglberg, St. Marx war endgültig vom Tisch. Doch der Umbau macht Probleme: Der Umzug der Radioredaktionen vom Funkhaus ins ORF-Zentrum verzögert, der Neubau am Küniglberg in Hietzing wird kleiner als geplant und Anrainer machen gegen den Ausbau mobil.

Im Bild: Eine Visualisierung des ORF-Zentrums mit Zubau

(c) ORF
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