"NZZ"-Österreich bittet Paroli

Das Kernteam des Online-Magazins "Paroli" heuert beim Digitalprojekt der "NZZ"-Österreich an. Der Zeitpunkt für den Start ist weiterhin ungewiss.

Die NZZ expandiert ins deutschsprachige Ausland.
Die NZZ expandiert ins deutschsprachige Ausland.
Die NZZ expandiert ins deutschsprachige Ausland.

Fragen zu Inhalt und Erscheinungsweise des Österreich-Ablegers der "Neuen Zürcher Zeitung" beantwortet Michael Fleischhacker derzeit immer nur mit einem Satz: "Das wissen wir noch nicht". Eines bestätigt er der "Presse" aber: Er hat seit kurzem ein kleines Team, das ihm und Ex-Eurofighter-Volksbegehren-Initiator und Mindworker-Agenturchef Rudi Fußi bei der Entwicklung des neuen publizistischen Produkts hilft. Neben einem Vertreter der NZZ aus Zürich sind das mit Fabian Lang, Florian Stambula und Yvonne Widler drei junge, digital-erfahrene und wohl noch nicht sehr teure Journalisten aus dem Gründungsteam des 2012 gestarteten Online-Magazins "Paroli". Widler hat für die neue Aufgabe ihren Redakteursposten beim Branchenmagazin "Horizont" aufgegeben, bleibt aber bis auf Weiteres Chefredakteurin von Paroli-magazin.at - und Stambula hat seinen Job als Community-Manager bei derstandard.at beendet.

Das Engagement der drei bedeute weder "das Ende von Paroli noch, dass die NZZ Paroli aufkauft", so Fleischhacker, von 2004 bis 2012 Chefredakteur der "Presse". Gemeinsam entwickle man jetzt einen Prototypen und kreise um die Grundfrage: Wie muss ein publizistisches Produkt beschaffen sein, damit es bezahlfähig ist? Denn so viel steht fest: Die Leser sollen jedenfalls zahlen für das NZZ-Digitalprodukt. Ein genauer Zeitpunkt für den Start des Produkts steht noch nicht fest, auch nicht wie viele Ressourcen dafür benötigt werden.

Ganz unumstritten dürfte die Österreich-Expansion innerhalb der NZZ nicht sein. Ende April berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die Jahresversammlung der Aktionäre (die NZZ ist eine Aktiengesellschaft). Der Plan, eine Online-Redaktion in Österreich aufzubauen und danach eventuell nach Deutschland zu expandieren, soll dort nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen sein. Der NZZ-Konzern, der seit Oktober 2013 vom Österreicher und Neos-Mitbegründer Veit Dengler geleitet wird, wollte dazu keine Auskunft geben. Nicht bekannt ist auch, wie viel Budget die Österreich-NZZ zur Verfügung hat. Anfang des Jahres hatte der Verwaltungsrat der NZZ-Mediengruppe zugestimmt, 2014 und 2015 acht Millionen Euro (zehn Millionen Schweizer Franken) in das publizistische Kerngeschäft der Gruppe und dabei vor allem in den Online-Bereich zu investieren. Dengler betonte später in Interviews allerdings, dieses Geld sei für den Schweizer Kernmarkt vorgesehen. Laut Branchengerüchten soll ursprünglich ein noch größeres Projekt für Österreich geplant gewesen sein, das noch in der Schublade liegt.

(awa)

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