"Peaky Blinders": Der Teufel trägt eine Rasierklinge

Cillian Murphy brilliert in der BBC-Serie als kriegsversehrter Gangster im Birmingham der Zwanziger Jahre. Auch die Bilder beeindrucken.

John, Tommy und Arthur Shelby: Der mittlere Bruder führt die Gang an
John, Tommy und Arthur Shelby: Der mittlere Bruder führt die Gang an

Birmingham, 1919. Die Peaky Blinders sind eine kleine Gang, sie herrschen über das Elendsviertel Small Heath und verdienen ihr Geld mit Wettbetrug. Befehligt werden sie von den Shelby-Brüdern Arthur, John und Tommy, Kriegsheimkehrern. Ihr Markenzeichen: In ihren Schiebermützen sind Rasierklingen eingenäht.

Nun hat die Gang Maschinengewehre der britischen Armee gestohlen – ein Irrtum, man erwischte die falsche Ladung. Fragt sich, was man damit tun soll. Sie zurückgeben und Ärger vermeiden? Sie der IRA verkaufen? Den Kommunisten? Oder sie selbst einsetzen und sich mit ihrer Hilfe zu den Königen von Birmingham zu krönen?

Das schwebt jedenfalls Tommy (Cillian Murphy), dem inofiziellen Anführer der Gang, vor. Das verrät jeder Schritt, den er durch das Elendsviertel tut, das verraten sein Blick und seine unbewegten Mundwinkel. Tommy will herrschen. Wo ein Räuber, da ein Gendarm: Kriegsminister Churchill hat Polizeiinspektor C.I. Chester Campbell (Sam Neill) aus Belfast nach Birmingham geschickt, hier soll er aufräumen – und vor allem die Waffen finden.

Diese Männer sind Opfer

Es ist weniger dieses Katz-und Maus-Spiel, das an der BBC-Serie reizt. Natürlich geht es um Macht – worum sonst? – und Tricksereien. Wie Tommy Shelby seine Gegner und selbst seine Familie steuert, als wären sie nichts anderes als Figuren auf einem Schachbrett, erinnert an Königsdramen. Tommy ist ein Teufel, manchmal hart an der Grenze zum Abziehbild des Bösen. Und doch ist er – wie die meisten seiner Gangmitglieder – ein Opfer. Diese Männer sind kriegsversehrt.

Das Trauma des Ersten Weltkriegs, diese innere Ödnis seiner Protagonisten hebt "Peaky Blinders" von Epochendramen wie "Boardwalk Empire" ab. Weniger originell ist leider die Story (zumindest in Staffel eins, mehr habe ich noch nicht gesehen), auch wenn sie auf einer wahren Begebenheit basiert. Auch ein Teil der Figuren bleibt flach. Langweilig finde ich vor allem Neill als harten Polizisten: Habe ich das nicht schon ein Dutzend Mal gesehen?

Hervorragend: Cillian Murphy 

Cillian Murphy brilliert als sein Gegenspieler. Der Ire war Scarecrow in Christopher Nolans "Batman"-Filmen, und doch reiht er sich nicht ein in die Riege der Europäer, vorrangig Briten, die inzwischen zu Hollywoods A-Liga gehören. Benedict Cumberbatch etwa, oder Tom Hiddleston. An Murphys Überzeugungskraft liegt das nicht, das wird schon in den ersten Minuten der Pilotfolge von "Peaky Blinders" klar.

Die Frauen schlagen sich ebenfalls besser als der Polizeichef. Annabelle Wallis schafft es, ihrer Rolle zumindest etwas an Glaubwürdigkeit zu geben: Sie spielt das singende Barmädchen Grace (Annabelle Wallis), das eine Spionin für den Polizeichef ist und Tommy schöne Augen macht. Stark ist auch Helen McCrory als Matriarchin Tante Polly: Sie ist diejenige, die ihren Neffen Tommy zumindest ab und zu in Schach hält.

Nick Cave singt den Titelsong

An "Peaky Blinders" mag ich auch das Visuelle und die Musik. Der Titelsong stammt von Nick Cave ("Red Right Hand" von 1994), auch die White Stripes und Tom Waits gehören zum Soundtrack. Optisch arbeitet die Serie viel mit flachen Schärfen, mit Zeitlupen und Lichteffekten. Die "FAZ" fühlt sich dabei an Musikvideos erinnert. Mir gefällt der Kontrast dieser Bilder, die man eher aus zeitgeistigen Formaten wie "Sherlock" kennt, zum "dreckigen" historischen Setting.

Wirklich Neues bietet "Peaky Blinders" nicht, dank Murphy werden aber auch Nicht-Genrefans ihr Vergnügen daran haben. Die BBC hat bereits eine dritte Staffel der Serie bestellt. In der zweiten Staffel spielt übrigens auch Tom Hardy mit, als Schurke natürlich. Der Cast der Gangster kann sich sehen lassen.

 

"Peaky Blinders", auf Netflix

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