Fernsehen: Schnurren von Conrads

Teddy Podgorski erinnert sich im „Österreich-Bild“ am Sonntag an die TV-Legende.

(c) ORF

Das war, kann ich mich erinnern, eine Sensation im Gutruf (Künstlertreff in der Wiener Innenstadt, Anm.): Der Qualtinger hat einen Mann mitgebracht, der hat den Heinz Conrads nicht gekannt“, erzählt Thaddäus Podgorski eine seiner wunderbaren Schnurren aus der Zeit, als das Fernsehen noch das Lagerfeuer der Nation war. Der Herr, ein Arbeitsloser, sei dann ins Kreuzverhör genommen worden, man habe mit „vielen Vierteln und Schnäpsen“ versucht, ihn der Lüge zu überführen. Es blieb dabei: Er kannte Conrads nicht. Dabei hatte der Volksschauspieler, Kabarettist und Radiomoderator seit 1946 eine wöchentliche Sonntagsradiosendung, die es mit vierzig Jahren Laufzeit als am längsten bestehendes Format sogar ins Guinness Buch der Rekorde brachte. 1,2 Millionen Hörer waren regelmäßig dabei. Auch Conrads' samstägliche Fernsehsendung lief fast 30 Jahre lang.

Am Sonntag erinnert ein „Österreich-Bild“ des Landesstudios Wien an den Schauspieler, Wienerliedsänger, Entertainer, der einmal, nach seinem Erfolg befragt, meinte, der liege wohl daran, dass er es immer ganz ernst und ehrlich meine – wenn er sein Publikum mit „Guten Abend, die Madln, servas, die Buam“ begrüßte und den Kranken daheim gute Besserung wünschte.

 

„Um Gottes willen! Nur keine Politik!“

Nur anecken, das habe Conrads nicht wollen, schnurrt Podgorski weiter – er schrieb mit Fritz Wendl (Ö1) das Buch zur Sendung und geleitet als Moderator durch die liebevoll zusammengestellten Erinnerungen. „Er wollte vom Publikum geliebt werden. Nur keine Politik! Um Gottes willen!“ Und als Conrads einmal den Frosch in der „Fledermaus“ an der Volksoper gab und eine Textpassage auf „da hob i an Liter Sinowatz“ (statt Slibowitz) geändert wurde, da habe er sogar im Ministerium nachgefragt, ob er das auch dürfe. Es ist ein sehr persönliches, kurzweiliges und auch für das nachgeborene Publikum durchaus interessantes Porträt eines der wohl beliebtesten aller Wiener, bei dem, wie er selbst sagte, schon in Purkersdorf das Heimweh anfing. 1986 wurde er „mit allen Anzeichen eines Staatsbegräbnisses“ zu Grabe getragen: Die ganze Kampfmannschaft von Rapid gab ihrem berühmten Fan die letzte Ehre.

Das ORF-Landesstudio Wien will künftig in loser Folge an „Wiener Legenden“ erinnern. Helmut Qualtinger war schon 2008 an der Reihe gewesen. Nun sei man auf der Suche nach einer Frau – „vielleicht die Wessely oder die Röck“, sinniert Landesintendantin Brigitte Wolf, die sich „jedes Jahr“ eine weitere Folge wünscht.

„Österreich-Bild“ aus dem Landesstudio Wien, Sonntag, 18.25 Uhr, ORF2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2009)

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