Abschied vom "Guglhupf": Das Backen hat ein Ende

Zum Abschied der Kabarettsendung "Guglhupf" traf "Die Presse am Sonntag" das Ensemble auf ein Stück der Mehlspeise. Sie erzählten von improvisierten Aufnahmebedingungen und der Diskriminierung älterer Künstler.

Prikopa, Krainer, Sobotka
Prikopa, Krainer, Sobotka
(c) Clemens Fabry

Wieso werd' ich immer beim Essen fotografiert?“, fragt Herbert Prikopa, als ihm Lore Krainer ein herzhaftes Stück Guglhupf serviert. Anlässlich das Abschieds der Sendung „Guglhupf“, die seit Oktober 1978 im österreichischen Rundfunk lief, traf die „Presse am Sonntag“ drei der Hauptakteure der legendären Kabarettsendung bei einem Stückerl Guglhupf zum Gespräch. Ort des Mehlspeisenverzehrs war Kurt Sobotkas Haus in Mödling – seit knapp 20 Jahren auch der Ort, an dem die Aufnahmen abgewickelt werden. „Als das Funkhaus umgebaut wurde, hat uns der Kurt angeboten, dass wir in seinem kleinen Studio aufnehmen können“, erzählt Lore Krainer: „Das hat uns so getaugt, dass wir geblieben sind“. Es sei auch um einiges billiger, sagt Kurt Sobotka, schließlich stellt er Klavier und Tonausrüstung zur Verfügung. Alles läuft analog, das Band bringt Sobotka jeden Samstag in die Sendeleitung. Er ist Regisseur, Techniker, Cutter „und die Firma“. Ebenso viele Aufgaben übernimmt Krainer: „Ich bin Komponistin, Pianistin, Sängerin, Korrepetitorin, Schauspielerin“. Die Texte schreibt sie wöchentlich gemeinsam mit Alfred Heinrich.

„Nach jeder Sendung beginnen wir schon, neues Material zu sammeln“. Auch drei Lieder pro Woche (insgesamt zirka 3000) stammen aus Krainers Feder – seit Gerhard Bronner und Peter Wehle, die auch die berühmte Titelmelodie komponierten, nicht mehr dabei sind. „Wehle ist 1986 gestorben und Bronner 1988 ausgewandert“, sagt Krainer: „Unser Zusammenarbeit war stets eine wunderbare Ergänzung“.

Der erste akustische „Guglhupf“ wurde von Bronner, Wehle, Sobotka, Krainer und Peter Frick „serviert“. Nun, 31 Jahre später, geht am Sonntag, den 28. Juni, der „Guglhupf“ um 9.30 Uhr auf Ö1 zum letzten Mal on Air. Das Ensemble verabschiedet sich am 25.Juni mit einer Gala im Radiokulturhaus; Ö1 widmet am Samstag, den 27.Juni die Sendung „Hörbilder“ (9.05 Uhr) den ehrwürdigen Kabarettisten.


Noch keine 80! Von „wohlverdientem Ruhestand“ will Krainer aber nichts hören. „Ich bin freischaffende Künstlerin, der ORF kann mich nicht in Pension schicken.“ Sobotka erzählt, er sei seit 1952 freier Mitarbeiter beim ORF. Das kann Prikopa übertrumpfen, der schon 1947 in freier Mitarbeit dort begonnen hat. Bei Ö1 wurde dem Team jetzt vorgeworfen, sie wären alle schon 80. „Das ist nicht wahr und eine Diskriminierung“, sagt Krainer (78). Als ältester – noch lebender – Guglhupf-Macher feiert Sobotka nächsten März seinen 80er. „Aber bei dem, was alles aus dem ORF getreten wird, sind wir mit dem Radiosymphonieorchester in hervorragender Gesellschaft“, kommentiert Prikopa (73). „Wir haben schon etliche Intendanten erlebt und überlebt“, so Krainer. Teddy Podgorski spielte als Generalintendant sogar im „Guglhupf“ mit, auch Ernst Grissemann, als Rundfunkintendant, war in der 400.Sendung mit dabei.

Und wie viele Politiker haben sie kommen und gehen sehen ... Doch nie wurde nur auf eine Seite hingeschlagen. „Man hat in Österreich ja das Glück, dass wirklich alle Politiker was Blödes machen“, schmunzelt Sobotka. „Sonst hätten wir nicht jede Woche die Sendung machen können“, ergänzt Krainer. Darauf Sobotka: „Und ohne Dichand wären wir auch verloren gewesen“. Das ist auch etwas, worauf sich Krainer wirklich freut, wenn die letzte „Guglhupf“-Sendung vorbei ist: „Dass ich die Kronenzeitung abbestellen kann und sie nicht mehr lesen muss.“

Keine Klagen. Ob es je Interventionen beim ORF gegeben hat wegen der Sendung? „Freilich waren oft welche beleidigt – vor allem die ganz rechte Seite. Aber es ist immer bei der Androhung einer Klage geblieben“, so Krainer. Und auch wenn einmal eine Stellungnahme als Entschuldigung vorgelesen werden musste, hat man sich daraus einen Spaß gemacht. Krainer dazu: „Kabarett muss anecken.“ Das Team hat es auch als oberste Pflicht gesehen, die Sendung wirklich jede Woche (mit Ausnahme der Sommerpause) zu produzieren. „Wir sind oft mit den Aufnahmegeräten ins Krankenhaus gefahren, wenn einer von uns drin war.“ Nur als der Papst starb, das Unglück in Kaprun war, und nach dem Tsunami fiel die Sendung ausnahmsweise aus.

Konsequent war auch die Gestaltung: Die Doppelconférence war ebenso fixer Bestandteil wie die beliebten Figuren (Krainer: „Die können wir viel mehr sagen lassen“). Das kommt aus einer Tradition des Kabaretts, bei der man nicht „Scheiße“ und „Arschloch“ sagen muss, erklärt Sobotka. Denn die wirkliche Kunst sei, Personen auf so eine Weise scharf zu kritisieren, dass sie selbst dabei lachen müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2009)

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