Radiotest: Privatsender überholen Ö3

Insgesamt bleiben die Marktanteile der ORF-Radios stabil. Mit insgesamt 78 Prozent Marktanteil halten Ö1, Bundesländer-Radios, Ö3 und FM4 die erste Halbjahreswertung des Vorjahres.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Im Gegensatz zum TV-Markt hat der ORF mit seiner Radioflotte keinen Privatsendersturm zu fürchten: Mit insgesamt 78 Prozent Marktanteil (Hörer über zehn Jahre) halten Ö1, Bundesländer-Radios, Ö3 und FM4 die erste Halbjahreswertung des Vorjahres. Dies zeigt der am Donnerstag veröffentlichte Radiotest. Gleichzeitig steigerten sich die Privatsender von 19 auf 20 Prozent – in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen von 25 auf 27 Prozent. Der ORF-Marktanteil ging hier von 73 auf 71 Prozent zurück.

Ein Lüftchen in Wien rührt allerdings den Dampfer Ö3: Mit vereinten Kräften haben ihn dort die Privatsender überholt. In der Zielgruppe 14 bis 49 Jahre liegt Ö3 z.B. bei 34, die Privaten gemeinsam bei 36Prozent. Im Vorjahreszeitraum stand es noch 35 Prozent (Ö3) versus 34 Prozent (Private). Ö3-Senderchef Georg Spatt ist insbesondere von der Performance des neuen Wiener Senders Superfly überrascht, der erst im Februar 2008 startete.

Kronehit erreichte indes als erster Privater über eine halbe Million Hörer täglich. Der österreichweite Sender hielt seinen Marktanteil bei vier Prozent stabil. Die Antenne-Radios waren in den Bundesländern Steiermark, Kärnten, Vorarlberg, Salzburg wieder die meistgehörten Privatprogramme. In Wien besetzte diesen Platz Radio Arabella, in Oberösterreich und Tirol das Life Radio, im Burgenland und in Niederösterreich Kronehit.

Das gute Ergebnis des ORF führt Spatt auf ihre Positionierung zurück: Man wisse von jedem ORF-Radio, was man von ihm erwarten kann – im ORF-TV sei dies nicht der Fall. Auch die stark forcierte Kundenbindung (mittels Ö3-„Gemeinde“, FM4-Community, Ö1-Club) zeige seine Wirkung. FM4-Chefin Monika Eigensperger streicht außerdem hervor, dass Radiohören insgesamt kaum an Beliebtheit verliert: Die Radionutzung ist nur geringfügig auf 198 Minuten pro Tag gesunken.

 

Kein „Guglhupf“: Mehr junge Ö1-Hörer

„Dieser Trend ist in der Werbung nicht ganz so stabil“, bremst Ralph Meier, Leiter der Kundenberatung beim ORF-Werbezeitvermarkter Enterprise. Die Investments gingen im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf bis zwölf Prozent zurück – allerdings fand da auch die Fußball-EM statt. Die Aussicht ist besser: „Im zweiten Halbjahr wird sich einiges tun“, so Meier. Ö1-Chef Alfred Treiber wundert sich indes über „erstaunliche Zuwächse“ bei den 14- bis 49-Jährigen. Polemisch merkt er an: „Das wird sich durch Einstellen des ,Guglhupf‘ noch fortsetzen.“ Ein „jüngeres“ Kabarettersatzprogramm sei in Planung. trick

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2009)

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