Medienbehörde prüft ORF-Recherchepanne zu Hofers Israel-Reise

Der FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer reichte bei der KommAustria Beschwerde gegen den ORF ein. Moderatorin Thurnher stellte klar, von "niemand gedrängt" worden zu sein.

Wahl 16
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Ingrid Thurnher und Norbert Hofer in Diskussion – (c) ORF (Thomas Ramstorfer)

Die Recherche-Panne des ORF rund um einen Israel-Besuch des FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer sorgt weiter für Diskussion: Hofer reichte Beschwerde bei der Medienbehörde KommAustria ein, ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher stellte klar, dass sie in der Causa Tempelberg von niemandem gedrängt wurde. Auch der ORF-Publikumsrat diskutierte am Mittwoch über den Vorfall.

Hintergrund ist eine Israel-Reise des knapp unterlegenen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Hofer im Jahr 2014 und die Darstellung eines dort von ihm erlebten Vorfalls. Hofer hatte im Wahlkampf behauptet, Zeuge eines Terror-Anschlags in der Nähe des Tempelbergs in Jerusalem gewesen zu sein, bei dem eine schwer bewaffnete Frau getötet worden sei.

Der ORF setzt darauf zur Recherche an und ließ im Rahmen des TV-Duells der Hofburg-Anwärter am Donnerstag vor der Stichwahl einen israelischen Polizeisprecher auftreten, der erklärte, solch einen Vorfall habe es an besagtem Tag nicht gegeben. Wahlduell-Moderatorin Thurnher konfrontierte Hofer mit den Recherchen, wenig später stellte sich heraus, dass es den Vorfall tatsächlich gegeben hatte, allerdings nicht in dem von dem FPÖ-Politiker geschilderten Ausmaß: Eine unbewaffnete jüdische Israelin, laut Medien-Berichten Mitglied einer radikalen Sekte, wurde von der Polizei gestoppt und verletzt.

"Niemand hat mich gedrängt"

"Mich hat niemand gedrängt, und keiner hat mir was angeschafft. Hätte auch gar keinen Sinn. Habe nur - wie bereits bekannt - in dieser Sache der Recherche einer anderen Redaktion vertraut. 'Streit' abgesagt. Und aus", erklärte ORF-Moderatorin Thurnher dazu am Mittwoch via Twitter.

Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, dass Thurnher die Causa eigentlich gar nicht thematisieren wollte (mehr dazu in "Wirbel um „Profil“-Bericht über ORF-Patzer"). "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf, der in der Recherche um die Vorfälle federführend war, habe Thurnher in seiner Funktion als stellvertretender Chefredakteur allerdings dazu gedrängt, Hofer mit den Recherchen zu konfrontieren. In der Redaktion habe es deshalb in den vergangenen Tagen heftigen Streit gegeben. Wolf wies diese Darstellung bereits am Wochenende zurück.

Beschwerde über Singsang-Ton und Augenrollen

Hofer reichte unterdessen über seinen Anwalt Michael Rami Beschwerde bei der KommAustria ein. Der ORF habe den "falschen Eindruck vermittelt, dass der geschilderte Vorfall gar nicht stattgefunden hätte", so Rami in der Gratiszeitung "Heute".

Und Thurnher habe versucht, Hofer mit bestimmten Stilmitteln wie Sprechen im Singsang-Ton oder Augenrollen "lächerlich zu machen". Die Medienbehörde muss nun prüfen, ob der öffentlich-rechtliche Sender das ORF-Gesetz verletzt hat.

Publikumsrat machte Vorfall zum Thema

Zur Sprache kamen die Vorfälle am Mittwoch auch bei einer Sitzung des ORF-Publikumsrats. Der bürgerliche Publikumsrat Walter Marschitz forderte Aufklärung in Sachen Entscheidungskette und sprach von einem "journalistischen Supergau". Grundsätze wie check, re-check und double-check seien nicht beachtet worden. "Das zwei Tage vor der Wahl in einer entscheidenden Wahldiskussion zu bringen, ist ein Fehler. So etwas kann ja nicht ein kleiner Redakteur entscheiden", meinte Marschitz in Richtung ORF-Chef Wrabetz.

Wrabetz: "War in Entscheidung nicht involviert"

"Ich war in die Entscheidung nicht involviert. Das ist auch ganz sicher nicht die Aufgabe eines Generaldirektors und auch nicht die der Fernsehdirektorin", antwortete Wrabetz. Thurnher habe sich auch "von niemandem etwas in die Sendung hineindrücken lassen. Allerdings war es das Rechercheergebnis einer anderen Redaktion, und das war unvollständig", sagte Wrabetz. Dies habe man auch in der "Zeit im Bild" des nächsten Tages "in einem umfassenden Beitrag richtig gestellt".

"Unsäglich" nannte der ORF-Chef die Beschimpfungen und Drohungen gegen ORF-Journalisten im Internet. Man werde jedenfalls "alle rechtlichen Schritte" gegen entsprechende Postings einleiten und auch nicht akzeptieren, "dass unsere Journalisten von irgendjemandem zum Rücktritt aufgefordert werden".

Insgesamt sei die Wahlberichterstattung des ORF ausgezeichnet gelaufen, betonte Wrabetz. 89 Prozent aller genutzten TV-Minuten zur Bundespräsidentenwahl steuerte der ORF bei, und insgesamt 5,9 Millionen Zuschauer nutzten die Vorwahl- und Wahlberichterstattung des ORF.

(APA)

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