Mateschitz startet TV-Kanal: Red Bull, aber rot-weiß-rot

Mit Servus TV startet Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz Mitte September einen neuen TV-Kanal. Der verspricht starken Österreich-Bezug.

Mateschitz
Mateschitz
(c) GEPA pictures/ Felix Roittner

Mit einem herzlichen ,Servus‘ begrüßen wir Sie an Bord!“: Die Stewards und Stewardessen von Austrian sind verpflichtet, den „typisch“ österreichischen Gruß in An- und Abmoderation jedes Fluges einzubauen. Nun soll er auch dem TV-Kanal von Dietrich Mateschitz Flügel verleihen: Sein Servus TV startet (auf der Frequenz von Salzburg TV) Mitte September. Ein genauer Starttermin steht noch nicht fest.

Was uns erwartet, will jedenfalls kein Extremsport-Spartenkanal, auch kein Red-Bull-Werbesender sein (Mateschitz setzte auch sein Red Bull Cola praktisch ohne Werbung in den Markt), nein: Ein Vollprogramm ist geplant – inklusive Nachrichten. Vom Sitz im salzburgischen Vorort Wals aus will man künftig Programm zu den Themen „Kultur, Kunst, Wirtschaft, Sport, Unterhaltung und Wissenschaft“ bieten, heißt es vorab auf der Sender-Homepage unter www.servustv.com. „Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung“, so der Slogan neben dem schwungvollen rot-weiß-roten „Servus“-Logo im Web. Versprochen werden dort auch: „Zeitgemäße Sendungen, die die alte Heimat in einem neuen Licht zeigen“ – unter „Heimat“ ist dabei der Alpen-Donau-Adria-Raum zu verstehen, also Österreich, Deutschland, die Schweiz und Südtirol.

Einen deutlichen Bezug zu diesen Lebenswelten, den Traditionen – wohl auch zu Salzburg als Festspielstadt –, wird das Programm dem Vernehmen nach haben. Und damit, in der Privat-TV-Branche eher ungewöhnlich, gerade auch ältere Zuseher ansprechen. Servus TV könnte so eine Nische besetzen, die zwischen öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Privat-TV noch kein Sender für sich entdeckt hat.


„Qualität vor Quantität“ soll eine der Maximen des Senders sein. Umzusetzen hat diese Programmdirektor Wolfgang Pütz, der im Herbst 2008 zu Mateschitz' neuem Projekt – das kolportierte 20 Redakteure und 100 Mio. Euro Budget umfasst – stieß. Der knapp 50-Jährige war international bereits für ARD und RAI tätig. Inhaltlich sind auch Talk (pilotiert im konzerneigenen Hangar-7), Reportagen, Diskussionen geplant – Gerüchten zufolge insgesamt sechs Stunden an neuem Programm täglich. Zu empfangen wird es digital über Kabel, Sat (auch in HD) oder Antenne sein.

Auf Bekannte aus der österreichischen Medienbranche stößt man in den Ressorts von Servus TV: Die Technik leitet Andreas Gall, zuletzt Technikdirektor des ORF. Stefanie Bleil, vormals bei TV-Vermarkter SevenOneMedia (u.a. Pro7, Sat1, Puls4) und News-Verlag, vermarktet den Kanal. Mateschitz erweitert damit seine Medien-Sparte, zu der bereits „Red Bulletin“ und „Seitenblicke-Magazin“ gehörten. Bezüglich Servus-TV ist sein Unternehmen verschwiegen wie gewohnt: Näheres dazu wird noch nicht preisgegeben. Zu viel sei derzeit in Bewegung, sagt Johannes Legard, einer der Servus-TV-Geschäftsführer, im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Angeblich sollen sich die Salzburger etwa schon bei der Konkurrenz (z.B. Puls4) umschauen, um dort Personal zu rekrutieren.

Dosenmillionär

Dietrich Mateschitz (* 1944) gründete Mitte der 80er-Jahre mit thailändischen Partnern die Red Bull GmbH. 1987 kam der Energydrink auf den Markt.

Mit einem Vermögen von 3,7 Milliarden Euro (2009) gilt er als einer der reichsten Österreicher. Sein Konzern ist in über 150 Ländern vertreten, u. a. in der Formel 1 aktiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2009)

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