15 Jahre ORF-Chef Wrabetz

SPÖ-Kandidat Alexander Wrabetz wurde zum ORF-General wiederbestellt. Entschieden wurde nach Parteilinie – und mit Unterstützung der Grünen.

Doch kein Königsmord. Alexander Wrabetz siegte über Herausforderer Richard Grasl. Im Vorfeld hatte Wrabetz in Anlehnung an Shakespeare von einem geplanten Königsmord gesprochen.
Doch kein Königsmord. Alexander Wrabetz siegte über Herausforderer Richard Grasl. Im Vorfeld hatte Wrabetz in Anlehnung an Shakespeare von einem geplanten Königsmord gesprochen.
Doch kein Königsmord. Alexander Wrabetz siegte über Herausforderer Richard Grasl. Im Vorfeld hatte Wrabetz in Anlehnung an Shakespeare von einem geplanten Königsmord gesprochen. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Mit zwei erhobenen Daumen eilte ORF-General Alexander Wrabetz am Dienstag, kurz nach halb zwölf Uhr, im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg seinem Hearing durch die ORF-Stiftungsräte entgegen. Der Amtsinhaber und SPÖ-Favorit zeigte sich schon vor der Entscheidung siegessicher. Der Kampf um den ORF, seit jeher ein Gefecht zwischen Rot und Schwarz, bei dem die Opposition oder auch die Zivilgesellschaft (die mit nur sechs Publikumsvertretern im Stiftungsrat wenig Gewicht hat) kaum gehört wird, ist letztlich zugunsten der Kanzlerpartei ausgegangen. Der von der ÖVP favorisierte Herausforderer, Richard Grasl, hatte zwar ein engagiertes Konzept für die Erneuerung des ORF vorgelegt, das nicht nur im Stiftungsrat (der ihn zweieinhalb Stunden lang dazu befragte), sondern auch in den Reihen der ORF-Redaktion durchaus auf Interesse gestoßen war. Doch die Wahl fiel letztlich mit 18 zu 15 Stimmen für Amtsinhaber Wrabetz aus. Er ist damit zum dritten Mal gewählt – und wird in Summe 15 Jahre lang den ORF führen.

Grasl zeigte sich als guter Verlierer, gratulierte Wrabetz herzlich zum Sieg, der seiner Ansicht nach „ein Fotofinish“ war. Auch wenn es letztlich nicht ganz so knapp war – den Ausschlag dürfte die Entscheidung des grünen Stiftungsrats Wilfried Embacher gegeben haben: Er war Dienstagfrüh der erste Stiftungsrat, der im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg auftauchte – und er erklärte schon vor dem Hearing: „Ich wähle Wrabetz.“ Das grüne Votum dürfte unentschlossene Räte dazu bewogen haben, lieber für den voraussichtlichen Sieger zu stimmen. Darunter, mutmaßte Grasl, auch die Mitarbeitervertreter: „Wrabetz hat mit den Stimmen der Betriebsräte gewonnen“, konstatierte er. Die fünf Betriebsräte im Gremium haben ein gewichtiges Wort – sie haben allerdings nicht einheitlich abgestimmt: Neben dem unabhängigen Stiftungsrat Franz Küberl (er hat sich im Vorfeld beklagt, dass der Druck auf die Stiftungsräte sehr groß war) enthielt sich auch die unabhängige Betriebsrätin Gudrun Stindl der Stimme.

 

„Rot-grün-rosa Postenpackelei“

Auch wenn Wrabetz nach der Entscheidung betonte: „Bei uns hat nicht die Regierung einen Generaldirektor bestellt“ – gewählt wurde klar nach Parteilinie. Die 13 Stiftungsräte, die dem roten „Freundeskreis“ zugerechnet werden, stimmten für Wrabetz, die 13 bürgerlichen für Grasl. Letzterer hatte dazu die FPÖ und das Team Stronach hinter sich. Wrabetz überzeugte auch den Grünen Rat, die Neos, den Kärntner Vertreter Siggi Neuschitzer und (zusätzlich zu zwei roten Betriebsräten) auch die zwei unabhängigen Betriebsräte Gerhard Moser und Christiana Jankovics (siehe Grafik). Scharfe Kritik kam von der Opposition: FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl bezeichnete die ORF-Wahl als „rot-grün-rosa Postenpackelei“, Neos-Vorsitzender Matthias Strolz ortet einen „letzten Rest großkoalitionärer Allmachtsfantasien“.
Wrabetz ist jedoch sicher, dass er auch die Kritiker im Stiftungsrat künftig von seinen Anliegen überzeugen wird: „Wenn ich etwas kann, dann ist es Mehrheiten finden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2016)

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