Das „Wirtschaftsblatt“ sperrt zu

Die Wirtschaftszeitung erscheint voraussichtlich am 2. September zum letzten Mal. Der Eigentümer, die Styria Media Group, will nun die Wirtschaftsberichterstattung der „Presse“ ausbauen.

(c) Die Presse (Anna-Maria Wallner)

Das „Wirtschaftsblatt“ wird eingestellt. Das gab die Styria Media Group, zu der die Wirtschaftszeitung gehört, am Dienstagabend bekannt. Zuvor waren die Mitarbeiter des Blattes in einer Betriebsversammlung von den Neuigkeiten informiert worden. In einer Aussendung erklärte die Styria, dass sie sich nach langen Überlegungen dazu entschlossen hat, das Blatt nach 21 Jahren aufzugeben. „Die Styria stellt an alle ihre Marken klare strategische und wirtschaftliche Erwartungen. Dazu gehört ein positiver Ergebnisbeitrag jeder einzelnen Marke der Gruppe“, hieß es darin. „Im Zuge von mehreren Restrukturierungs- und Einsparungsetappen ist es in den letzten Jahren gelungen, die Verluste des ,Wirtschaftsblatt' deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Zeitung aufrecht zu erhalten. Ein Ausblick auf die Marktlage zeigt aber klar, dass die Kosten des Betriebs auch künftig nicht vom Markt refinanzierbar sind.“ Die Entscheidung, eine starke Marke einzustellen, sei dem Unternehmen nicht leicht gefallen, sie sei jedoch unumgänglich gewesen.

Man habe sieben oder acht Optionen geprüft, aber vernünftigerweise keinen plausiblen Businessplan erstellen können, sagte Markus Mair, der Vorstandsvorsitzende der Styria Media Group am Dienstagabend der APA. Auch mehr öffentliche Gelder hätten das "Wirtschaftsblatt" aus seiner Sicht nicht retten können.

Die letzte Ausgabe der Zeitung wird voraussichtlich am 2. September erscheinen. Alle 66 betroffenen Mitarbeiter wurden am Dienstag persönlich über die Lage informiert. Mit dem Betriebsrat wird ein Sozialplan verhandelt. In der Aussendung wir Mair so zitiert: „Diese Entscheidung, die wir sehr bedauern, ist leider unumgänglich. Es liegt in der Verantwortung des Vorstands, das Portfolio im Sinne der wirtschaftlichen und journalistischen Unabhängigkeit der gesamten Unternehmensgruppe zu managen". Er betonte aber: „Künftig setzen wir in der Wirtschaftsberichterstattung auf unsere nationale Nummer Eins in diesem Bereich, unser Flaggschiff ,Die Presse‘.“ Dort werde man die Wirtschaftsberichterstattung „mit voller Kraft“ ausbauen „und mit einem erweiterten Angebot ein klares Signal an die Unternehmen in Österreich aussenden“, so Herwig Langanger, der Geschäftsführer von „Presse“ und „Wirtschaftsblatt“. „Unser Dank gilt allen Mitarbeitern, die stets mit großem Einsatz und viel Leidenschaft für das ,Wirtschaftsblatt' gearbeitet haben“, so Langanger.

21 Jahre Wirtschafts-Berichterstattung

Das „Wirtschaftsblatt“ wurde 1995 als nationale Wirtschaftszeitung gegründet. Ihr erster Herausgeber war der Wirtschaftsjournalist Jens Tschebull. Das Blatt erschien von Beginn an börsentäglich von Montag bis Freitag und legte ihren Schwerpunkt auf Wirtschaftsthemen und die Beobachtung von Börsen und Märkten. Seit 2007 erschien zudem acht Mal im Jahr das Hochglanz-Supplement „Wirtschaftsblatt deluxe“. Zuletzt lasen laut Zahlen der Media Analyse insgesamt 82.000 Personen täglich die Zeitung. Damit lag das "Wirtschaftsblatt" österreichweit gesehen im Vorjahr bei 1,1 Prozent Reichweite, die Freitagsausgabe kam auf 1,2 Prozent. Zu Beginn hielten die Styria und der schwedische Medienkonzern Bonnier jeweils 50 Prozent an der Marke. 2006 übernahm die Styria alle Anteile von Bonnier und war seither Alleineigentümer. 2012 übernahm Esther Mitterstieler die Agenden des langjährigen Chefredakteurs Wolfgang Unterhuber. Seit 2014 leiten Eva Komarek und Gerhard Hofer, der zugleich Chef des Wirtschaftsressorts der „Presse“ ist, die Zeitung. „Presse“ und „Wirtschaftsblatt“ arbeiteten seit 2014 redaktionell enger zusammen, blieben aber komplett eigenständige Firmen und Redaktionen.

Medienminister: Einstellung "schmerzt"

Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) bezeichnete die angekündigte Einstellung in einer Aussendung als bedauerlich: "Besonders schmerzt diese Entscheidung in Hinblick auf die Arbeitsplätze, die dadurch verloren gehen", so der Minister. "Umso wichtiger ist es, dass wir nun im Herbst mit der Presseförderung Neu zügig voran kommen. Es kann und wird dabei nicht um die Etablierung eines Instruments der Verlustabdeckung gehen, sondern vielmehr darum, Kriterien wie die Qualität von Journalismus und die Ausbildung zu fördern", sagte Drozda. "Letztlich müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, innerhalb derer der journalistische Content in all seinen Ausgabeformen im Mittelpunkt steht."

Zur Styria Media Group, dem zweitgrößten Printmedienhaus Österreichs, gehören neben der „Presse“ auch die „Kleine Zeitung“ und Magazine wie „Wienerin“, „Diva“ und „Miss“. Künftig will das Unternehmen in diese Kernmarken investieren und diese vor allem im Digitalbereich erweitern und ausbauen. In der Aussendung vom Dienstag hieß es dazu: „Es belegen unter anderem die sehr starken Positionen der Styria-Marktplätze in allen unseren Märkten sowie erfolgreiche Investitionen in digitale Start-ups, dass wir mit der konsequenten Strategieumsetzung auf dem richtigen Weg sind.“ (APA/awa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2016)

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