ÖVP unterliegt im Ringen um ORF-Finanzchef

Die ÖVP forderte zwei Direktorenposten und bekam keinen. Nun wird Andreas Nadler Finanzdirektor. Das bedeutet einen Bruch zwischen SPÖ und ÖVP.

SITZUNG DES ORF-STIFTUNGSRATS MIT WAHL DIREKTORIUM UND LANDESDIREKTORIUM
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SITZUNG DES ORF-STIFTUNGSRATS MIT WAHL DIREKTORIUM UND LANDESDIREKTORIUM
Finanzdirektor Andreas Nadler, Programmdirektorin Kathrin Zechner, ORF-Chef Alexander Wrabetz, Radiodirektorin Monika Eigensperger und der Technische Direktor Michael Götzhaber – (c) APA (GEORG HOCHMUTH)

Die Besetzung des Postens des ORF-Finanzdirektors dürfte sich auf die Regierungskoalition auswirken: Der ORF-Stiftungsrat hat auf Vorschlag von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz das neue ORF-Direktorium mit breiter Mehrheit bestellt. Gerungen wurde im Vorfeld um den Posten des Finanzdirektors: Andreas Nadler, Leiter der ORF-Finanzwirtschaft, wird Kaufmännischer Direktor.

Diesen Posten hatte eigentlich die ÖVP für eine Zustimmung zum Direktorium beansprucht. Bis tief in die Nacht hinein wurde um mögliche Personalpakete gefeilscht. Die ÖVP forderte dem Vernehmen nach zwei Direktoren-Posten sowie die Kompetenzen für Personal und Recht. Im Gegenzug standen ein konstruktiverer Kurs in den ORF-Gremien und die Zustimmung zur Erhöhung der Rundfunkgebühren im Raum. Die SPÖ lehnte die Forderungen ab, die ÖVP ließ nicht nach, die Einigung platzte.

Zeichen für baldige Neuwahlen?

Politische Beobachter werteten dies umgehend als Zeichen für das schlechte Koalitionsklima und Signal für baldige Neuwahlen.

Als ÖVP-Wunschkandidat für die Funktion des Finanzdirektors wurde Roland Weissmann gehandelt. Er war die rechte Hand vom bisherigen Finanzchef Richard Grasl und verwaltete zuletzt als Leiter der Programmwirtschaft bereits die Millionen-Budgets im ORF-Fernsehen.

Grasl: Nadler "wird das sicher gut machen."

Statt Weissmann wurde über Nacht nun Nadler aus dem Hut gezaubert und zum neuen Kaufmännischen Direktor gewählt. Schützenhilfe bekam Nadler von Grasl, der mithilfe der ÖVP Generaldirektor werden wollte. "Nadler war sieben Jahre lang mein Stellvertreter", sagte Grasl. "Was kann man sich Besseres wünschen, als dass der eigene Stellvertreter erfolgreich ist. Er wird das sicher gut machen."

Andreas Nadler auf einem Archivbild von 2003
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Andreas Nadler auf einem Archivbild von 2003
Andreas Nadler auf einem Archivbild von 2003 – (c) ORF (Andreas Friess)

Zur Person

Andreas Nadler wurde 2003 unter Generaldirektorin Monika Lindner zum Leiter der Abteilung Finanzwirtschaft in der Kaufmännischen Direktion bestellt. Davor leitete er das operative Geschäft der ORF-Vermarktungstochter Enterprise.

Eigensperger wird Radiodirektorin

Die weiteren Postenbesetzungen waren bereits im Vorfeld bekannt gewesen: Die bisherige Fernsehdirektorin Kathrin Zechner ist ab 2017 Programmdirektorin, FM4-Chefin Monika Eigensperger übernimmt die Radiodirektion, Michael Götzhaber bleibt Technischer Direktor.

Das neue Team von Wrabetz bekam eine breitere Mehrheit als Wrabetz selbst bei seiner Wahl zum Generaldirektor. Er war im August mit 18 Stimmen wiedergewählt worden. Am Donnerstag stimmten 23 der 35 Stiftungsräte für sein Direktorenteam.

Neben SPÖ, Grünen, Neos und unabhängigen Stiftungsräten stimmten auch FPÖ sowie zwei ÖVP-nahe Landesstiftungsräte für das Direktorium. Zehn Vertreter votierten gegen die vier neuen Direktoren, zwei Vertreter des obersten ORF-Gremiums enthielten sich bei der Abstimmung.

Auch FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger stimmte für das Direktorium. Steger zählte im August noch zu Wrabetz' schärfsten Gegnern. Als Signal an die FPÖ soll der stellvertretende Technik-Direktor und Online-Chef Thomas Prantner in seiner Funktion aufgewertet werden. Alles in allem eine Neuauflage der Regenbogen-Koalition, die Wrabetz bereits 2006 ins Amt des ORF-Generals gehievt hatte.

Keine Überraschungen bei Landesdirektoren

Bei der Bestellung der Landesdirektoren gab es keine weiteren Überraschungen mehr. Das von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vorgeschlagene Landesdirektoren-Team erhielt eine noch deutlichere Mehrheit: 30 der Räte stimmten zu.

Für Vorarlberg wurde Markus Klement wiederbestellt, in Tirol Helmut Krieghofer verlängert. In Salzburg wird der noch unter der früheren SPÖ-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller bestellte Roland Brunhofer auf Wunsch von ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer durch ORF III-Chefredakteur Christoph Takacs ersetzt.

In Oberösterreich geht Landesdirektor Kurt Rammerstorfer in die Verlängerung, gleiches gilt für die Direktorenverträge von Gerhard Draxler in der Steiermark, Karin Bernhard in Kärnten, Norbert Gollinger in Niederösterreich und Brigitte Wolf in Wien. Im Burgenland wird Landesdirektor Karlheinz Papst auf Wunsch der Landes-SPÖ von Werner Herics abgelöst.

Abberufungen auf Wunsch der Politik "skandalös"

Der grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher kritisierte dabei den politisch gewünschten Austausch von Brunhofer und Papst. Embacher nannte die Abberufungen "skandalös". In Salzburg habe der dortige Stiftungsrat noch eines drauf gesetzt, weil dieser das Vorhaben auch noch öffentlich kundtat. "Die Ablöse von Papst im Burgenland ist fachlich nicht begründbar", so Embacher.

Wer wird was im ORF?

Fachbereichsdirektoren:

  • Finanzdirektor
    Andreas Nadler statt Richard Grasl
  • Programmdirektorin
    Kathrin Zechner (bisher Fernsehdirektorin, aber die Struktur des ORF verändert sich)
  • Radiodirektorin
    Monika Eigensperger, FM4-Chefin
  • Technischer Direktor
    Michael Götzhaber (wie bisher)

Landesdirektoren:

  • Salzburg
    Christoph Takacs statt Roland Brunhofer (auf Wunsch der Landes-ÖVP)
  • Burgenland
    Werner Herics statt Karlheinz Papst (auf Wunsch der Landes-SPÖ)
  • Niederösterreich
    Norbert Gollinger
  • Oberösterreich
    Kurt Rammerstorfer
  • Wien
    Brigitte Wolf
  • Steiermark
    Gerhard Draxler
  • Kärnten
    Karin Bernhard
  • Tirol
    Helmut Krieghofer
  • Vorarlberg
    Markus Klement

(APA/Red.)

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